London

Einfach Eingesteckt

Kleid mit Taschen von Dior F/W13

Kleid mit Taschen von Dior F/W13

Ich hatte eine Epiphanie. Über Handtaschen und jeglicher, sich an Kleidung befindlicher Art von Taschen, am meisten aber Rocktaschen. Wenn ich mit Freunden bummeln gehe, ist der härteste Teil für mich immer die Handtaschen-Abteilung. Ich weiß – Klischee. Aus mir unerklärlichen Gründen haben sie Macht über mich und mein Shoppingverhalten. Die britische Journalistin und Buchautorin Caitlin Moran argumentiert, das mysteriöse Verlangen von Frauen nach Handtaschen läge daran, dass sie neben Schuhen das einzige modische Element sind, welches eine Frau unabhängig von Gewichtsschwankungen tragen kann. Das nächste Klischee ist, dass Frauen an einer kombinierten Schuhe-Handtaschen-Shopping-Obsession leiden, meine Sucht hingegen scheint aber ziemlich eindimensional zentriert. Bei Schuhen fiel es mir schon immer einfacher “nein” zu sagen. Rührt aber vielleicht daher, dass mir meine Mutter als ich klein war erlaubte, mir genau ein Paar Schuhe selbst auszusuchen. Die hielten dann in der Regel ungefähr ein Jahr – aber auch geliebt und getragen bis sie auseinander fielen. Aber bei direktem Augenkontakt mit einem Objekt meiner Begierde, muss ich mich jedoch meistens bereits im Shop innerlich direkt selbst therapieren, um einen Shopping-Kurzschluss zu vermeiden.

Unerwarteter Weise musste ich mich im letzten Jahr bei einem Asien-Trip einem unfreiwilligen Selbstversuch unterziehen, als zwei Jungs in Ho-Chi-Minh City mir im wahrsten Sinne mein liebstes Exemplar (Steve Madden, Bowling Bag) vom Leib rissen und auf ihrem roten Roller in die Dunkelheit ritten, als ich die Straße überquerte. Die Hälfte der Reise lag noch vor uns, von daher hieß es für mich den Rest davon ohne Täschchen zu bestreiten. Anfangs fühlte ich mich nackig, aber es dauerte nicht lange, bis das Gefühl von Nacktheit umschlug in Leichtigkeit. Auch nach meiner Rückkehr nach London, vermied ich das mitführen von Handtaschen soweit wie möglich. Da ich keine große Hosen-Trägerin bin, habe ich seither die Freuden von Kleider – und Rocktaschen für mich entdeckt. Viel bequemer, viel unauffälliger, viel eleganter. Bis zu den 50er Jahren, zum Beispiel, hatte quasi jeder Petticoat Taschen und man hat sie nicht einmal wahrgenommen. Warum wurden sie nur so vernachlässigt?? Rocktaschen sind einfach mal das großartigste Feature, das ein Kleidungsstück haben kann und haben meine abendlichen Ausgänge revolutioniert. Ich habe acht Gründe für euch zusammengestellt, weshalb ihr durchaus mal einen taschenlosen Abend ausprobieren solltet:

1. Der Offensichtlichste: Man braucht keine Handtasche mit sich herumtragen.

2. Keine Handtasche mit sich herumzutragen, bedeutet seine Hände frei zu haben. (Say what? – Yes!)

3. Keine Handtasche mit sich herumzutragen, bedeutet eine Entlastung für deine Schultern. Dein Rücken wird dir dankbar sein – meiner ist es.

4. Keines der vielen Handtaschenmodelle mit sich zu tragen, wenn man ausgeht, zwingt einen dazu, die eigene Definition von Dingen-ohne-die-ich-einen-Abend-unmöglich-überleben-kann neu zu überdenken. Ich zum Beispiel habe überraschend festgestellt, dass mir Handy, Kontokarte, ID, Schlüssel und Lipgloss anstelle von Handy, Kontokarte, ID, Schlüssel, Lipgloss, Haarbürste, Lippenstift, Kajal, Haarspray, Abdeckstift, [...] vollkommen ausreichen (in 95 Prozent der Fälle benutze ich zwei Drittel davon eh nicht).

5. Die Chance, dass du deine Rocktaschen aus Versehen auf der Toilette im Club, an der Bar, am Tisch, [...] stehen lässt ist relativ unwahrscheinlich – sie sind ja angenäht! Im gleichen Atemzug verringert das die Möglichkeit des Verlustes essenzieller Dinge (siehe Handy, Portemonnaie).

6. Man hat immer was zum Händewärmen dabei. Plus, es sieht einfach viel lässiger aus mit Händen in den Rocktaschen auf, z.B. den Bus zu warten, als wenn die Arme ungekonnt an den Seiten baumeln oder verklemmt vor der Brust verschränkt sind. Außerdem ist es eine gute Therapie, wenn du deine Hände beschäftigen möchtest, denn die Finger können mit dem Tascheninhalt spielen, ohne, dass es jemand mitbekommt.

7. Es ist die Chance, den Durchschnitt der Studie (oder eher Gerücht – hat jemand jemals die Zahlen dazu gesehen?) zu senken, die behauptet hat, dass Frauen angeblich sieben Jahre ihres Lebens suchend in einer ihrer Handtaschen verbringen und vielleicht ein paar Lebensminuten zurück zu gewinnen – man hat ja alles direkt am Körper.

8. Rocktaschen helfen dir, dein eigentliches Ich zu entdecken. Andere Frauen werden neidisch sein; während ihre Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist kannst du unbesorgt beim Tanzen die Hände in die Luft reißen. Sie hingegen werden sich fragen ‘wo verstaut sie nur alles?’ während sie vorsichtig im Kreis um ihre Handtaschen, Clutches und Crossover Bags herumtanzen.

Solange ästhetisch und diskret steht dem Revival der Rocktaschen von meiner Seite aus nichts mehr im Wege, konzeptuelle Rucksack-Shirt-Kombinationen können hingegen schön im  Atelier bleiben.

Hier ein paar Looks zur Inspiration aus den aktuellen Frühjahr/Sommer Kollektionen.

 

Bilder: Style.com

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