New York

“Michelle, ma belle”

Michelle Obama in Naeem Khan

Michelle Obama. Ich liebe sie für ihre Klugheit. Aber auch für ihre straffen, eleganten Arme sowie ihr Gespür für jüngere Designer. Hier 2009 in Naeem Khan. (Official White House Photo by Pete Souza).

Die Kleider einer First Lady sollten an und für sich völlig nebensächlich sein. Im Fall von Michelle Obama darf man aber schon einmal hervorheben, dass sie vor allem amerikanische, oft bis dato weniger bekannte, Designer trägt, von denen viele hier in den USA produzieren. Das verdient Lob. Eine Liebeserklärung an Michelle Obama.

Seit Monaten spucke ich große Töne, dass ich nach Deutschland zurück ziehe, sollte Barack Obama nicht wiedergewählt werden. Nun sind es nur noch wenige Tage bis zur Wahl und ich werde etwas nervös, denn eigentlich will ich nicht umziehen. Also bete ich, dass die Mehrheit der Amerikaner nicht den großen Fehler begeht, für Mitt Romney zu stimmen.

Die ersten vier Jahre seiner Amtszeit mögen etwas holprig gewesen sein. Aber Barack Obama steht für alles, woran ich glaube: Gleichberechtigung für Homosexuelle, Frauenrechte, Zugang zu Krankenversicherung, die Legalisierung illegaler Immigranten, die als Kinder in die USA gebracht wurden und ohne deren Arbeit ganze Industrien hier zusammen brechen würden, und Diplomatie statt Krieg in der Außenpolitik. (Mitt Romney spricht sich im Übrigen gegen alles davon aus.) Nicht zu vergessen: Er ist der erste afroamerikanische Präsident der USA und das ist nun einmal ein big deal! Seit der Bürgerrechtsbewegung ist ein halbes Jahrhundert mit weißen Männern an der Macht vergangen, es wurde Zeit.

Michelle, Malia, Barack und Sasha Obama

Barack Obama hat Grund zu strahlen. Die Frauen, die Einfluss auf die Standpunkte des Präsidenten haben: Töchter Malia und Sasha und Michelle Obama (in Byron Lars).

In Reden erwähnt Barack Obama (oder wie wir Freunde ihn nennen: Barry O.) häufig, dass seine Standpunkte durch drei kluge Frauen beeinflusst werden: Töchter Malia und Sasha sowie seine Frau Michelle (auch Mo oder Mrs. O). Unter anderem deshalb möchte ich in einem Land leben, in dem die Obamas die “First Family” sind.

Warum ich Michelle Obama liebe? Erstens: Sie ist intelligent. Natürlich finde ich schade, wenn hochgebildete Frauen wie Hillary Rodham Clinton und nun Michelle Obama (studierten Jura in Yale und Harvard) sich der antiquierten First-Lady-Rolle fügen und ihr Potential nicht ausschöpfen können (glücklicherweise holt die coole Hillz das nach). Aber, nun einmal die Zähne zusammengebissen und sich der Aufgabe gestellt, hat sich Michelle Obama die Rolle der First Lady erfolgreich zu eigen gemacht. Sie wurde von Forbes zur mächtigsten Frau der Welt gekürt, denn es ist offensichtlich, dass Michelle nicht nur eine leidenschaftliche Unterstützerin der Politik ihres Mannes ist, sondern ihn als Partnerin berät (und ich vermute ihn auch ab und an mal in den Hintern tritt). Sie kämpft effektiv für die Gesundheit amerikanischer Kindern und hat z.B. Unternehmen wie Coca Cola und Kellogg’s dazu bewegt, die Kalorienanzahl in ihren Lebensmitteln zu reduzieren. Das mag kein Weltfrieden sein, doch der Anfang einer Lösung für ein großes Problem in den USA. Michelle Obama verdient dafür Applaus.

MIchelle Obama In Tracy Reese Foto Kathy Smith

Michelle Obama beim Parteitag der Demokraten in Tracy Reese. Foto: Kathy Smith

Spätestens seit ihrer innigen Rede beim Parteitag der Demokraten, in der sie sich für Gleichberechtigung und Frauenrechte aussprach und an Wähler appellierte, an die Zukunft von Kindern, die nicht in privilegierten Verhältnissen aufwachsen, zu denken, muss auch der letzte Kritiker diese kluge, starke, wortgewandte Frau lieben. Sie trug übrigens ein Kleid von Tracy Reese, einer afro-amerikanischen Designerin, leider tatsächlich noch eine Seltenheit in der Modewelt.

Michelle Obama in Prabal Gurung 2011

Michelle Obama in Prabal Gurung 2011. (Official White House Photo by Pete Souza)

Zweitens: Sie trägt junge Designer. Seit Michelle Obama First Lady ist, lässt sich Mode im Weißen Haus nicht ignorieren. An ihr Händchen für Mode kommt keine ran, weder eine Herzogin Kate, noch eine Carla Sarkozy (oder heißt die inzwischen wieder Carla Bruni?). Von Michelle Obamas Gespür für Indie-Designer und – seien wir ehrlich – diesen beneidenswerten, muskulösen und doch eleganten Oberarmen, die sie uns auch bei noch so offiziellen, traditionsreichen Anlässen präsentiert, werde ich noch in 50 Jahren schwärmen, so viel steht fest. Ganz klar: Da ist vor vier Jahren eine Frau ins Weiße Haus eingezogen, die nach ihren eigenen Regeln spielt und sich ganz und gar nicht selbst aufgibt.

Auch wenn sie sich gerne mal in ein Wahnsinns-Roben von Alaïa oder J. Mendel schmeißt, bewundere ich Michelle Obama vor allem dafür, wie sie Karrieren junger oder unbekannter Designer ankurbelt. Indem sie statt Oscar de la Renta, dem Liebling bisheriger First Ladies, Entwürfe unkonventioneller Designer wie Narciso Rodriguez, Isabel Toledo, Rachel Roy, Thakoon Panichgul und Maria Cornejo trägt, hat sie in den letzten vier Jahren mehr für die amerikanische Modeindustrie getan, als sonst jemand. Und für alle Mal das Bild der First Lady gewandelt.

Michelle Obama bei der Amtseinführung im Januar 2009 in Jason Wu. Foto: Pete Souza / The White House

Michelle Obama bei der Amtseinführung im Januar 2009 in Jason Wu. Barry voll verknallt. (Official White House Photo by Pete Souza).

Allen bekannt ist inzwischen das Märchen von Jason Wu. Die überraschende Wahl der elfenbeinfarbenen Robe, die Michelle Obama zu den Bällen anlässlich der Amtseinführung ihres Mannes im Januar 2009 trug, machte den bis dahin wenig bekannten Designer, damals gerade 26, über Nacht zu einem Star.

Carly Cushnie und Michelle Ochs bekamen seit der Gründung ihres Labels Cushnie et Ochs 2009 zwar viel Lob von Modekritikern, hatten aber dennoch Schwierigkeiten aus den roten Zahlen zu kommen, die Einkäufer einflussreicher Kaufhäuser schenkten ihnen wenig Aufmerksamkeit. Dann trug Michelle Obama 2011 einen moosgrünen Entwurf der beiden – plötzlich kamen Anrufe und finanzieller Erfolg. Der “Michelle-Obama-Effekt,” über den sich auch Prabal Gurung und Naeem Khan freuen durften.

Michelle Obama in Cushnie et Ochs. (Official White House Photo by Pete Souza)

Michelle Obama in Cushnie et Ochs. (Official White House Photo by Pete Souza)

Drittens: Sie bringt Barack zum Strahlen. Ich weiß, dass das kitschig klingt. Aber es ist unglaublich rührend zu sehen, wie verliebt die beiden nach 20 Jahren Ehe noch sind. Diese Blicke, mon dieu! Wie wohl die sich beieinander fühlen. Schön! Als Michelle Obama beim Parteitag der Demokraten mit ihrer Rede eine leidenschaftliche Liebeserklärung an Barack lieferte, schmolzen die Herzen dahin.

Michelle Obama in Asos

Michelle Obama trägt neben Designern auch gerne mal H&M oder Zara. Hier in Asos, Barack wie immer voll verliebt. (Official White House Photo)

Letztens: Sie ist ein Vorbild. Michelle Obama verkörpert Klasse und, trotz ihrer Rolle, Feminismus. Sie hat das Bild, das viele von afroamerikanischen Frauen haben (“angry black woman”), verändert und ich bin dankbar für das Vorbild, das sie nicht nur für ihre eigenen Töchter, sondern für eine ganze Generation von Teenagern und jungen Frauen ist. Mit ihrer Würde, Selbstsicherheit und Gelassenheit trägt sie zu einer Veränderung des Mainstream-Schönheitsideals bei. Ich liebe Michelle Obama.

Auf dieses Thema gibt es 3 Reaktionen

  1. hallelujah! oder wie sagen die amis: word sista!

  2. Dass “Style” nicht nur Mode und Leichtlebigkeit, sondern vor allem Haltung aus Überzeugung mit entsprechendem Auftreten bedeutet, hast Du, liebe Sophia, in Deinem aktuellen Beitrag über die First Lady erfrischend locker und dennoch tiefgründig beschrieben. In diesen Tagen blicken Menschen aus der ganzen Welt wegen der Umweltkatastrophe und der bevorstehenden Wahl auf Amerika. Deine Zeilen haben in ganz besonderer Weise sensibilisiert…!!!

  3. Liebe Sophia, alles ist gut. Du brauchst nicht zurück nach Deutschland, wo noch immer Angie First Lady ist. Auch ich war zunehmend nervös und habe mitgezittert, obwohl ich hier in Deutschland lebe und nicht in USA. Wäre die Wahl dort anders ausgegangen, ich hätte mein Vertrauen in die Menschheit verloren.
    Dass Michelle Obama die Modewelt so beinflusst, wusste ich nicht. Danke für diese Zusatzinformationen. Was ich so mag, ist, dass trotz aller Publicity nicht der eigentliche Inhalt von Obamas Politik verloren geht, sondern immer wieder von beiden beteuert wird. Ich wünsche ihnen, dass sie weiterhin vielfältige Zeichen setzen und damit die Zukunft positiv beinflussen. Jeder weiß, es wird nicht einfach, aber ich glaube an weitere Erfolge.

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