New York

Grün, grün, grün sind alle meine Kleider

Bamboo By United Bamboo Fall 2012, Nachhaltigkeit und Mode, Miho Aoki

Bamboo By United Bamboo, nachhaltige Mode von Miho Aoki, Herbst 2012

Vor einer Woche besuchte meine Freundin Gesine für einen Radio-Beitrag bei Fritz die Berliner Primark-Filiale und postete danach bei Facebook Bilder von den riesigen Einkaufstüten, die Kundinnen und Kunden massenweise aus dem Laden schleppten. Mein erster Gedanke war: „Ich kann das nicht mehr mitansehen! Ich muss einen Beitrag über Nachhaltigkeit und Mode schreiben!“

Nun habe ich auf Stylebook die vielen, vielen Kommentare zu Violets Beitrag über Primark  und Julias Beitrag über H&M Conscious Collection gelesen und, das bestätigte mir auch Gesine nach ihrer Recherche, vielen geht es schlicht und einfach ums Geld. Schnell wird außerdem, zu recht, argumentiert, dass Nike, Adidas und Co. vermutlich unter ähnlichen Bedingungen produzieren. Rechtfertigt das eine das andere? Die Zeigefinger-Nummer liegt mir fern (auch wenn manche Menschen in meinem Umfeld anderer Meinung sein mögen…), stattdessen will ich an dieser Stelle Alternativen anbieten: Ich werde zum Beispiel künftig verstärkt grüne Designer und Labels vorstellen, die ganz und gar nicht an Eine-Welt-Läden erinnern.

Ich weiß, ich werde kein Label finden, dass ethisch und ökologisch nachhaltige Mode zu ähnlichen Preisen wie H&M und Primark verkauft. Das ist einfach nicht drin. Aber man muss kein Großverdiener sein, um auf massenproduzierten, chemiegetränkten Billigkram verzichten zu können. Faule Ausreden lasse ich nicht gelten!

Finanzexperte Carl Richards rät: Mehr für etwas Gutes ausgeben, lohnt sich langfristig

Finanzexperte Carl Richards rät: Mehr für etwas Gutes auszugeben zahlt sich langfristig aus. Bild via New York Times.

Vorschlag Nummer 1 und wichtigste Voraussetzung: Kauft weniger, dafür besser und behaltet es länger! Hand aufs Herz: Wie lange behält man einen 9,95-Rock von H&M? Eine Saison lang, dann landet er im Müll und muss immer wieder ersetzt werden. Und, sorry, jetzt kommt leider doch der Zeigefinger: Das ist nun einmal blöd für Mutter Erde und fürs Portemonnaie. Finanzexperte Carl Richards hat sich vor kurzem im Business-Teil der New York Times für das Mehrausgeben ausgesprochen, weil es sich langfristig auszahlt:

„Zu oft glauben wir, dass langfristiges Denken sich nicht lohnt. Wir können ja alles ersetzen, richtig? Aber wie viel einfacher wären unsere Leben-und Finanzentscheidungen, wenn wir mit dem Ziel etwas lange zu besitzen, kauften?“

Dieser Ansatz, so der Finanzexperte, lässt uns länger überlegen, wofür wir unser Geld ausgeben, lässt uns vielleicht länger warten, bis wir uns etwas leisten können, lässt uns Dinge kaufen, die uns wirklich gefallen und die uns vielleicht sogar langfristig glücklich machen.

Okay, rollen die Augen schon? Ich weiß, ich weiß!

Groceries Apparel verzichtet auf Chemikalien, setzt auf erneuerbare Energien und produziert nachhaltige Basics in Kalifornien

Groceries Apparel verzichtet auf Chemikalien, setzt auf erneuerbare Energien und produziert nachhaltige Basics in Kalifornien

Vorschlag Nummer 2: Bei den Basics anfangen und auf „grün“ umzustellen, denn das ist wirklich nicht teuer. Groceries Apparel stellt aus Bio-Baumwolle, Hanf und Soja die weichsten Shirts her. Kosten: Um die $30 pro Shirt. Im Sale habe ich sogar welche für $15 gesehen. Das Label verzichtet bei der Herstellung gänzlich auf Chemikalien, setzt auf Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien und alles wird komplett in Kalifornien von Arbeitern, die fairen Lohn erhalten, produziert. Dabei verpflichtet sich Groceries Apparel der stetigen Forschung nach noch „grüneren“ Textilien.

Bruno Pieters setzt in seinem Online-Shop "Honest By" auf Nachhaltigkeit und Transparenz, Nachhaltigkeit und Mode

Bruno Pieters setzt in seinem Online-Shop "Honest By" auf Nachhaltigkeit und Transparenz

Zugegeben, das mit den Biotextilien ist ein weites Feld. Es gibt keine einheitlichen Gütesiegel und man muss darauf vertrauen, dass, wenn Organic Cotton draufsteht, auch wirklich Bio-Baumwolle (d.h. Baumwolle, bei deren Anbau und Verarbeitung weniger giftige Chemikalien, weniger Wasser und Energie sowie weniger Treibhausgase als bei herkömmlicher Baumwolle eingesetzt wurden) drin ist. Außerdem arbeiten Designer wie Martin Margiela viel mit recyceltem Polyester. Plastik ist also nicht immer blöd. Aber dann steht eben auch „recycled“ auf dem Label. Wer sich wirkliche Transparenz wünscht, der kann zum Beispiel im phänomenalen Online-Shop von Bruno Pieters einkaufen. Der ehemalige Boss-Designer kennzeichnet dort z.B. „Organic“, „Vegan“ und „European.“ Wem das zu teuer ist, der kann im Asos Green Room oder bei People Tree schauen. Wer lieber auf Online-Shopping verzichtet, um einheimische Geschäfte zu unterstützen (da stehe ich voll und ganz hinter euch!!!), der kann hier zumindest recherchieren und Ideen finden.

Vorschlag Nummer 3: Ich bin überzeugt, dass Marken wie H&M und C&A keine Öko-Kollektionen verkaufen würden (selbst, wenn es dabei nur ums Image geht), wenn es die Kunden nicht wünschen würden. Heißt: Einfordern! Im Geschäft nach Bio-Baumwolle fragen oder nach Produkten, die nicht in China hergestellt wurden – und das gilt nicht nur für Billigteile! Wenn man auch in den tollsten Boutiquen auf die Labels schaut, findet man oft „Made in China.“ Wenn ich im Geschäft gefragt werde, ob ich Hilfe brauche, sage ich ganz klar: „Ich suche etwas aus 100% Organic Cotton“ oder „Ich möchte gerne etwas, das ‘Made in USA’ ist.“ So werden die Läden erinnert, dass es Kunden gibt, denen ihre Gesundheit, die Umwelt und die heimische Industrie wichtig ist.

Liest an dieser Stelle noch jemand oder ist doch zu sehr durchgedrungen, dass ich auf Lehramt studiert habe?

Bamboo By, Miho Aoki, Nachhaltigkeit und Mode

Bamboo By, Miho Aokis grüne 'Diffusion Line' von United Bamboo

Zum Schluss möchte ich ein ganz wunderbares Label, Bamboo By United Bamboo, vorstellen. Im Frühjahr 2011 gründete Miho Aoki, Designerin von United Bamboo, diese Nebenkollektion. Sie entwirft für Bamboo By, inspiriert von der Geburt ihres ersten Kindes, bequeme und schlichte Kleidung mit entspannten Silhouetten aus Bio-Materialien wie Baumwolle, Leinen und Hanf. Miho Aoki ist der Verzicht auf künstlichen Dünger, Pestizide und Chemikalien wichtig, denn: „This is better for the environment and better for people.“

Fortsetzung folgt.

Auf dieses Thema gibt es 4 Reaktionen

  1. Toller Artikel, ich bin genau Deiner Meinung!

  2. Sehr gut und ausführlich geschrieben. Ja, das Thema Nachhaltigkeit bei Mode ist total wichtig. Deshalb unterstütze ich auch Klamotten-Tausch oder den Klassischen Flohmarkt und Second Hand. Es ist sinnvoll, Kleidung nicht direkt weg zu werfen, sondern viel zu nutzen. Mehr zum Thema:http://farbenfreundin.de/?p=2789

  3. SCHÖN, wenn die Bluse 6€ kostet. Nicht gut, wenn dafür die Umwelt leidet und Arbeiter ausgebeutet werden. Ich las gerade einen sehr interessanten Artikel in “Die Zeit – Wissen”. Durch die Seriosität der Zeitung und der guten Recherche, bin ich nun überzeugt, dass Billigketten wie Primark, Kik, etc. beitragen das Konsumverhalten wie die “Wegwerfmode” populär zu machen. Laut “Zeit”: Die Menschen die in Kleidungsfabriken arbeiten, gefährden ihre Gesundheit.
    Bei der Sandstrahl-Methode etwa – mit der neue Jeans behandelt werden, damit sie abgetragen aussehen, atmen die Arbeiter QUARZ ein, das die Lunge langfristig angreift.” Durch eine Untersuchung hat man festgestellt, dass gerade in Ländern wie China, Indien, Bangladesch hundert verschiedene Chemikalen eingesetzt werden, wie Farbstoffe, Bleichmittel, zusätzliche Stoffe die die Kleidung nicht mehr knittern lässt, mehr glänzt, etc. Ich für mich habe entschieden mehr darauf zu achten, dass die Kleidung aus nachhaltigen Rohstoffen hergestellt wird. Lieber ein teueres Stück 5 Jahre tragen, als ein giftiges Stück 3 Wochen. BESSER FÜR DIE UMWELT, FÜR DIE HERSTELLER, FÜR EINEN SELBST! ( denn ich möchte nicht wissen wie die Haut auf diese giftigen Chemikalen über Jahre hinweg, reagiert.

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