New York

Die fabelhafte Welt der Yayoi Kusama

Yayoi Kusama, 2011. © Yayoi Kusama

Yayoi Kusama, 2011. © Yayoi Kusama

„Kann man freiwillig in der Psychiatrie wohnen? Das eröffnet ja ganz neue Perspektiven,“ sagte meine Freundin Anja, als wir über Yayoi Kusamas Leben staunten. Die japanische Künstlerin Yayoi Kusama hat nicht nur fast die letzten 40 Jahre freiwillig in einer psychiatrischen Einrichtung gewohnt, sie hat auch in den wichtigsten Museen der Welt ausgestellt, gestern eröffnete eine Retrospektive im New Yorker Whitney Museum. Außerdem kam diese Woche ihre Kollaboration mit Louis Vuitton in die Läden.

Yayoi Kusama X Louis Vuitton

Yayoi Kusama X Louis Vuitton

Yayoi Kusama kam zum ersten Mal 1957 in die USA, wo ihr Georgia O’Keeffe zum Zutritt in die Kunstszene verhalf. Schnell wurde sie zu einer der wichtigsten Figuren der New Yorker Avantgarde und sollte einen großen Einfluss auf befreundete Künstler wie Andy Warhol und Claes Oldenburg haben. Bekannt wurde sie für ihre Polka Dots oder Infinity Nets, wie sie die Punkte nennt, die sie auf Leinwände, Objekte oder auch nackte Menschen (wie z.B. die Darsteller in ihrer Performance Grand Orgy to Awaken the Dead at the MOMA von 1969) malte, aber auch für Happenings, mit denen sie gegen den Vietnam-Krieg protestierte. Und dafür, dass sie Präsident Nixon in einem offenen Brief anbot, mit ihm zu schlafen, wenn er dafür den Krieg beende.

Kusama at Bust Out Happening at Sheep Meadow in Central Park, 1969. Collection Yayoi Kusama. Image courtesy Yayoi Kusama Studio Inc.; Ota Fine Arts, Tokyo; Victoria Miro Gallery, London

Yayoi Kusama beim Bust Out Happening im Central Park, 1969. © Yayoi Kusama Studio Inc.

Anfang der 70er kehrte sie nach Japan zurück und checkte wenig später in das Seiwa-Krankenhaus für psychisch Kranke ein – dort lebt sie seitdem, arbeitet unermüdlich und zählt zu den bekanntesten Künstlern ihres Landes. Ihre Werke erzielen bei Auktionen die höchsten Preise einer lebenden Künstlerin. Diese Woche kehrte Yayoi Kusama nun, Dank der Retrospektive im Whitney und der Kollaboration mit Louis Vuitton, zum ersten Mal seit Jahrzehnten nach New York zurück.

Die Ausstellung zeigt Arbeiten Yayoi Kusamas gesamter Karriere. Das Werk der schillernden 83jährigen, das sowohl den Kategorien Avantgarde, Pop Art, Minimalismus als auch feministischer Kunst zugeordnet werden, umfasst Malerei, Kollagen, Skulpturen, Perfomance-Kunst sowie Landschaftsinstallationen, in diesen Fall eine wunderbar fröhliche Installation im Hudson River Park.

Galerie: Yayoi Kusama im Whitney

 

Die Kollaboration mit Louis Vuitton ist nicht das erste Mal, dass die 83jährige Yayoi Kusama mit Mode flirtet. In den späten 60ern, als sie in New York lebte, gründete sie ihr Label Kusama Fashion Company und Bloomingdale’s widmete ihren Entwürfen mit Cut-Outs an Busen oder Hintern sogar die „Kusama Corner“, letztes Jahr kollaborierte sie mit Lancôme für eine limitiere Edition der Juicy-Tubes-Lipglosse.

„Die Mischung aus Zwanghaftigkeit und Unschuld in ihren Kunstwerken berührt mich,“ erklärte Kreativdirektor von Louis Vuitton und Kunstsammler Marc Jacobs, der ihre Arbeit bewundert, seitdem er 2006 ihr Studio in Japan besuchte. Wie ein großer Teil ihrer Kunst, ist auch die Kollektion für Louis Vuitton aus Kleidung und Accessoires wie Uhren, Schuhen und Taschen mit Yayoi Kusamas Markenzeichen, den Polka Dots, bedeckt. „Ein Tupfer, ein Polka Dot ist rund, weich, bunt, unsinnig und nichts ahnend … ein Weg in die Unendlichkeit,“ sagt Kusama über die von Halluzinationen inspirierten Punkte.

In den USA gibt es die Kollektion im Louis-Vuitton-Laden auf der Fifth Avenue sowie in einem Pop Up Store in Soho, weitere Pop Up Stores sollen in Hong Kong, Tokyo, Singapore, London und Paris folgen.

Die Ausstellung im Whitney Museum findet bis zum 30. September statt.

Galerie: Yayoi Kusama x Louis Vuitton

 

Auf dieses Thema gibt es eine Reaktion

  1. Ich kann verstehen, wenn sich jemand in eine psychiatrische Einrichtung selbst einweist. Dort kann man wirken und arbeiten, gerade als kreativer Mensch, der seine “Marotten” pflegen muss, damit er nicht explodiert. In der Gesellschaft ist es dann eher so, dass man doch schräger angeschaut wird. Dort ist man versteckter, kann für sich arbeiten, wirken und sich auch austauschen, da die Menschen, die dort leben, einen anderen Blickwinkel auf Dinge haben.
    Spannend.

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