New York

Schals von Ai

Oliver Prestele und Nella Rieken färben Stoffe in ihrem Atelier

Oliver Prestele bereitet ein Tuch für den ersten Färbegang vor, Nella Rieken wäscht andere Tücher zwischen zwei Färbegängen aus. Foto: Rosa Merk

Nach Besuchen in japanischen Färbemanufakturen fingen Nella Rieken und Oliver Prestele an Indigo aus Japan zu importieren, damit zu experimentieren und traditionelle Färbetechniken neu zu interpretieren. Entstanden sind wunderschöne Tücher, denen sie den Namen Ai, japanisch für Indigo, gaben. 

Als Nella, die Buchkunst studiert hat, sich 2010 mit grafischen Vervielfältigungstechniken beschäftigte und in Olivers Atelier mit Drucktechniken wie Cyanotype (fotografisches Druckverfahren mit Blautönen) und Hektographie (Vervielfältigung mit Tinte) experimentierte, war sie fasziniert: „Die Magie der Farben, die dabei entstehen, ist unbeschreiblich, sie vibrieren geradezu!“

Ai bedeutet Indigo auf Japanisch. Foto: Rosa Merk

Ai bedeutet Indigo auf Japanisch. Foto: Rosa Merk

Das tiefblaue Indigo wurde historisch zum Färben wie auch zur Tintenherstellung verwendet, „Belichten, Drucken, Zeichnen und eben Färben überlagerten sich ungeahnt,“ erklärt Nella. Sie war sie begeistert zu lernen, wie genreübergreifend Ende des 19. Jahrhunderts gearbeitet wurde: „Man experimentierte und wusste nicht, ob man eigentlich Chemiker oder Filmemacher von Beruf war.“

Aus der Tradition der originalgrafischen Kleinauflage entstand das Projekt Ai zunächst ohne den Gedanken daran, ein Kleidungsstück zu entwerfen. Auch wenn sie als Modeaccessoire verkauft werden, sieht Nella die Tücher als „Gebrauchsgegenstand, den man hin und wieder in die Tasche steckt, sich darauf setzen kann, sich um den Körper hüllt, sich vielleicht auch als Bild an die Wand hängt oder eben um den Hals trägt.“

Oliver, der das japanische Restaurant Cocolo Ramen betreibt, für das er auch Möbel selbst baut und sämtliches Geschirr töpfert, und Nella, die als Grafikdesignerin an Buchprojekten und als VJ für die Band Bodi Bill arbeitet, produzieren die Linie nahezu vollständig in ihrem Atelier. Den „perfekten feingewebten Baumwollstoff,“ nach dem sie lange gesucht haben, beziehen sie aus England, die Konfektionierung findet in Bayern statt, bei einer Dame, von deren feinen Nähten Oliver und Nella begeistert waren. Das Färben und Waschen findet im Berliner Atelier statt, was dauert: „Für ein Tuch brauchen wir beinahe den ganzen Tag, jedes wird acht- bis zehnmal gefärbt und gewaschen. Beim Färben mit Indigo findet ein Oxidationsprozess statt, der fordert Geduld.“ Die kleinen Aufnäher aus Messing werden bei einem Berliner Graveur gefertigt, „er freut sich schon mit uns auf den Alterungsprozess der kleinen Schildchen.“

Nach mindestens acht bis zehn Färbegängen wird die Oxidation mit Wasser und Essig gestoppt. Foto: Rosa Merk

Für jeden Schritt der Produktion haben sich Nella und Oliver bemüht, die beste und persönlichste Lösung zu finden. Ähnlich hoffen sie auch beim Vertrieb auf lange und interessante Kollaborationen. Nellas erster Kontakt war eine Boutique in Florenz, Société Anonyme, weil sie sich mich mit ihrer Art sich zu präsentieren sofort verbunden fühlte. Die Sympathie und gegenseitige Begeisterung bestätigte sich bei einem Treffen und über diese Boutique verkaufen sie nun auch bei Farfetch. Mit dem Apartment Store in Zürich lief es ähnlich: „Bei einem Treffen wird sofort klar, ob es zusammenpasst oder nicht. Wir sind ja sicher für die Läden wirtschaftlich nicht besonders interessant, und es ist doch schön zu sehen, dass Etablierte im Modegeschäft sich für so ein Projekt interessieren und die Art zu arbeiten auch ihren Kunden näherbringen.“ In Berlin gibt es Ai im noch neuen Staub Shop und demnächst in der Mulackstr. 34.

Wie es weitergeht? „Weiter geht es in jedem Fall, aber wir haben es ja glücklicherweise nicht mit Saisonware zu tun. Es ist schwierig ein Muster serienreif zu bekommen,  daran arbeiten wir stetig weiter, man kann aber nie sagen, wann es soweit ist. Dazu wird es noch weitere Kollaborationen geben, aber wir geben dem noch die Zeit, die es braucht.“

Alle Fotos: Rosa Merk