London

Trolle und Diebe

Olympic Spirit im Deutschen Haus, London: Ich gebe eine unangekündigte Pressekonferenz für mich selbst.

In diesem Moment befinden sich die Athleten der deutschen Mannschaft an Bord der MS Deutschland und schippern übers Meer, um morgen in Hamburg anzulegen. Viele von ihnen haben seit der Abschlussveranstaltung ein starkes Fiepen auf den Ohren, weil sie bei Brian May’s Gitarrensolo zu dicht dran standen. Brian May sollte, nur kurz angemerkt, seinen Lebensabend in Ruhe genießen und nicht mehr auftreten. Das gleiche gilt für George Michael, The Who, Annie Lennox.

Die MS Deutschland kennt man als “Traumschiff” aus der gleichnamigen Fernsehserie und die Schuhmarke SIOUX hatte mich letzte Woche eingeladen, dort eine Nacht zu verbringen. Juhu! Nächste Woche erzähle ich hier die WAHRHEIT ÜBER DAS TRAUMSCHFF. Aber heute möchte ich über Schuhe, Trolle und Diebe sprechen! Seit 40 Jahren machen die Sioux-Leute Schuhe für die Athleten der deutschen Mannschaft, mal Winterspiele, mal Sommerspiele, machmal ganz kleine Schuhe (Turner Marcel Nguyen hat Schuhgröße 37), manchmal sehr große Schuhe (Basketballer Dirk Nowitzki hat Schuhgröße 57, haha). Nur einmal liefen in den letzten 40 Jahren keine Sioux-Schuhe in ein Olympia-Stadion ein und das war in Russland 1980, als Deutschland und andere Staaten sich dachten: “Russland suckt!” – die Sommerspiele boykottierten.

Dieses Jahr musste sich Sioux passendes Schuhwerk zu den rosa-weißen und hellblau-weißen Bogner-Outfits ausdenken, die man den Sportlern verpasst hatte und in denen sie aussahen wie fröhliche Trolle ohne irgendeine Ahnung von irgendetwas, aus einem bunten Wunderland, in dem es immer schneit und gleichzeitig die Sonne scheint. Bogner ist eigentlich verantwortlich für die Sportler-Garderobe der Winterspiele, wer ihm das Zepter für den Sommer in die Hand gab, weiß ich nicht.

Die Schuhe zu den Troll-Outfits sind keine Troll-Schuhe, sondern Menschen-Schuhe. Das Modell für die Mädchen zum Beispiel sieht so aus:

Wer etwas athletisches Feeling in seinem Leben braucht, kann den Schuh auch kaufen. Am besten in einem Schuhgeschäft!

Wie ich übrigens erfuhr, hat Sioux in der Vergangenheit nicht immer alles richtig gemacht. Das taten dann andere für sie. Der berühmte Noppenschuh, den wir von dem italienischen Label Tod’s kennen, kommt nicht von Tod’s, sondern von Sioux: Es war 1957, in Deutschland waren alle wohlgenährt und viele Haushalte hatten einen VW Käfer vor dem Häuschen stehen.  Sioux brachte den “Autoped” auf den Markt, und 1958 den “Notarsia”, einen Schuh mit Noppen an der Sohle, damit man nicht länger vom Gaspedal wegrutschte …

 

1964 erfanden sie den Grashopper und verkauften die Idee für wenig Geld an einen schlauen Engländer  namens LANCE CLARK …. was wurde daraus? Der weltberühmte Clarks-Klassiker. Hier seht ihr Lance Clark beim Ideenklau von den damaligen Sioux-Inhabern, den Sappers:

Peter Sapper, Karin Sapper und der schlaue Lance Clark

 

Ich hoffe, dass man sich bei Sioux von jetzt an nicht mehr die besten Ideen von Engländern und Italienern wegschnappen lässt. Das muss doch wirklich nicht sein.

 

 

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