London

Ein Kater namens Bob

Kater Bob und Besitzer James Bowen: zwei, die sich gegenseitig gerettet haben

Wenn ich von Hackney aus, wo ich lebe, in die Stadt  möchte, nehme ich die schwarze Tube in Angel, die „Northern Line” in Richtung King’s Cross. Auf meinem Weg zur Haltestelle komme ich an einem Tesco-Supermarkt vorbei und vor diesem Supermarkt stehen immer Leute rum, manchmal eine Frau, manchmal ein Mann, die die Obdachlosen-Zeitschrift „The big Issue” verkaufen.  Einmal stand auch ein junger Typ vor der Schiebetür des Supermarktes. Er hatte eine rot getigerte Katze dabei. Die Katze saß auf einer Decke, als wäre sie ein Hund. Ich war damals fasziniert von dem zahmen Charakter des kleinen Tigers, aber traute mich nicht, die Katze oder den Jungen anzusprechen. Sie sahen beide sehr ernst aus. 

Seit gestern weiß ich, dass die Katze Bob heißt und der junge Typ James Bowen. James hat schon ziemlich viel Mist erlebt. Er war obdachlos, heroinabhängig und ziemlich allein auf der Welt. Manchmal arbeitete er als Straßenmusiker. Irgendwann schaffte er es von Heroin auf Methadon und bekam eine betreute Bleibe. Eines Tages saß etwas Rotes, Getigertes in seinem Hausflur. Der kleine Kater, das sah James sofort, hatte ein kaputtes Bein, wie nach einem Kampf. Niemand wusste, woher der Kater kam, und niemand wollte ihn. Also nahm James ihn mit in seine Wohnung, pflegte ihn, fütterte ihn und holte Antibiotika vom Tierarzt. Nach ein paar Wochen war Bob gesund und James öffnete ihm die Türe. „Du kannst gehen, Kater”, sagt er, aber Bob blieb auf dem Bett sitzen.

Von diesem Tag an folgt der Kater seinem neuen Herrchen auf Schritt und Tritt, sogar in den Bus, den James jeden Tag von Seven Sisters nimmt, um in Angel Gitarre zu spielen oder Zeitschriften zu verkaufen. Bob bekommt von Passanten die ganze Aufmerksamkeit. Zuerst ist James von dem Kater genervt. Der Weg zur Arbeit dauert mit dem Kater im Schlepptau doppelt so lang wie ohne Bob. James verliert kostbare Verkaufs-Zeit in Angel.  Aber plötzlich, weil Bob zum Publikumsmagneten wird, macht er 60 Pfund am Tag statt 25. James spielt und verkauft, Bob sitzt auf einer Decke mit seinem Namen darauf – ein Geschenk von einem Passanten. Oft trägt er einen Schal und er hat eine komplette Garderobe an Katzenkleidung für den Winter. Abends, nach getaner Arbeit, gehen James und Bob nach Hause. Dann springt der Kater oft auf die Schulter seines Freundes, denn die Straßen Londons sind gefährlich.

So vergehen die Tage, und weil James plötzlich jemanden hat, um den er sich kümmern muss, macht sein Leben irgendwie wieder Sinn. Er kommt los vom Methadon, wird clean, lernt ein Mädchen kennen, sie verlieben sich. Das alles wegen eines kleinen Katers, den niemand wollte. Als ihn eines Tages ein Scheich anspricht und eine Million Pfund für den Kater bietet, sagt James nein. Das wäre ja so, als würde er sein Kind verkaufen, sagt er in einem Interview.  Eine Literaturagentin sieht die beiden jeden Tag auf ihrem Weg zur Arbeit und ermutigt James, ein Buch zu schreiben. „A Street Cat Named Bob: How One Man and his Cat Found Hope on the Streets” ist gerade erschienen und bereits in den Top 100 bei Amazon (Großbritannien). Eine schöne Geschichte, die uns daran erinnern sollte, Tiere mit Respekt und Liebe zu behandeln.

 

 

 

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  1. habe selber drei Stubentiger und einen Jack Russel meine kleine treue Familie , und Euch alles Liebe und Gute…..und ein langes Leben……..

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