Englisches Fernsehen wirkt faszinierend auf mich, auch wenn ich das Gerät heutzutage nicht mehr so häufig anschalte wie in meinem ersten Jahr in London, als ich nicht genug vom Insel-TV-Programm kriegen konnte. Englisches Fernsehen heißt ur-britische Sendungen über Gärtnerei, Immobilien auf dem Land oder Antiquitäten, die noch Geld einbringen könnten. Kochsendungen mit superernsten Köchen und Backsendungen mit Omis, die Pferdegebisse in den Mündern und dicke Perlen an den Ohren haben. Eine Auto-Show namens Top-Gear, die von Machos moderiert wird und Stephen Fry zu jeder Uhrzeit. Spielfilme, die eben noch im Kino gezeigt wurden, Quizshows mit englischen und schottischen Komikern, die ich nicht verstehe. Problemjugendliche, die mit 13 Jahren Eltern wurden und detailverliebte Dokus über das Geschehen an den Londoner Flughäfen. Leonard Cohen auf England-Tour in den 60er Jahren, Konzert-Mitschnitte der Rolling Stones aus den 70ern, hochnäsige Reporter auf den Spuren der Kunst der Renaissance. Plastik-Proletinnen in “The only Way is Essex” und slutty Schnöselinnen in “Made in Chelsea”. Wenn man England kennenlernen will, muss man den Fernseher einschalten. Und selbst wenn die Werbung läuft, wird es nicht langweilig. Britische TV-Werbung ist anders als Deutsche … manche Spots bringen mich zum Lachen und manche gehen mir ans Herz. Seht selbst: Hier sind meine Lieblingsspots der letzten Wochen.
CARVENDALE – CATNIPPED
IKEA – PLAYING WITH MY FRIENDS
JOHN LEWIS – THE OTHER HALF
THINKBOX – HARVEY AND RABBIT
JOHN LEWIS -THE JOURNEY

Wow … ich hatte doch wirklich Tränen in den Augen bei der John Lewis Weihnachtswerbung!
Was die richtigen Bilder und die richtige Musik doch alles bewirken können, ganz ohne Text.
Jedenfalls ist die britische Werbung um einiges besser, als das, was wir hier so in Deutschland zu sehen bekommen.