London

Der perfekte Gänsebraten

Neulich wollte mir ein großer, mächtiger  Mann im Anzug – zu dem er eine lange Krawatte und Schuhe in Größe 47 trug –  weis machen, mich und meine Artgenossinen besser zu kennen als ich selbst. Frauen in meinem Alter, sagte er mit tiefer Stimme, haben vom Kochen keine Ahnung. Sie wollen nur schnell schnell irgendetwas auftauen oder zusammenrühren. Auf keinen Fall wollen sie stundenlang in der Küche stehen, und wenn, dann nicht, um zu kochen. Zufrieden nickte er sich selbst zu, lachte höhnisch und ging von dannen.

Wo Männer sich ihre Frauenbilder heutzutage abholen ist mir nicht ganz klar – vielleicht haben sie heimlich zu viel Sex and The City geschaut ?

Jedenfalls fiel mir der große Mann am Wochenende wieder ein, als ich mit umgebundener Schürze (sie hat Vögel drauf) in meiner Küche stand und die Gans im Ofen mit Bratensaft übergoss. Die Mutter meines Darlings war zu Besuch und weil man sich immer mit allen Müttern gut stellen sollte, beschloss ich ein deutsches Wintergericht für sie zu kredenzen: Gänsebraten, Knödel, Rotkohl und viel braune Sauce.

In England ein deutsches Gericht zu kochen, bedarf einiger Organisation. Die Gans muss bestellt werden, mindestens eine Woche vorher, den Rotkohl gibt es nur als Gemüse und nicht fertig in Gläsern oder Tüten, und Kartoffelknödel kann man noch nicht mal vernünftig ins Englische übersetzen.

Aber die Mühe sollte sich lohnen. Nach dem letzten Schluck Wein erhob sich die Mutter, umarmte mich ganz fest und sagte mit Tränen in den Augen: “Dieses Essen werde ich in meinem Leben nie wieder vergessen.” Ich sags ja immer: Liebe geht durch den Magen. Wenn ihr jetzt, in der Vorweihnachtszeit und Weihnachtszeit auch jemanden in euch verliebt machen wollt, euren Freund, eure Freunde oder eure Familie, dann ist so ein Braten eine todsichere Sache. Hier ist mein Rezept, vor dem sich auch Anfänger nicht fürchten müssen. Wenn ihr euch daran haltet, wird die Gans garantiert zu einem vollen Erfolg und auch eure Gäste verlassen euer Dinner mit Tränen in den Augen.

 

Ihr braucht:

Für die Gans:

Eine Freiland-Gans, 4 bis 5 Kilo (6 Personen) – kauft keine tiefgefrorene Gans aus dem Supermarkt. Mit der Qualität der Gans steht und fällt die Qualität eures Dinners, deswegen immer eine frei laufende Gans vom Bauern.

2 Äpfel

1 Zwiebel

etwas Thymian oder Beifuß (in England gibt es keinen Beifuß, deswegen nahm ich Thymian)

Salz, Pfeffer

 

Für die Sauce:

2 Gläser Gänsefond

1 Zwiebel

Hals, Flügel und Innereien eurer Gans (aber nicht die Leber)

1 EL Mehl

Einen Schuss Rotwein

Salz, Pfeffer

 

Und so gehts:

Gans mit einem guten Messer von dem Fett im Inneren befreien. Die obere Hälfte der Flügel abschneiden und zu Hals und Innereien tun. Gans, Flügel, Hals und Innereien mit kaltem Wasser abspülen und dann trocken tupfen. Von Innen salzen und pfeffern. (Ich trage für Waschen, Würzen und Stopfen Einmal-Handschuhe aus der Apotheke, damit die Hände nicht für die nächsten 12 Stunden nach Gänsebauch riechen.)

Äpfel waschen, vierteln, Stiel und Kerne weg. Zwiebel häuten und vierteln. Alles in die Gans, gemeinsam mit dem Thymian oder Beifuß.

Dann die Gans von aussen kräftig salzen und pfeffern. Mit einer Gabel rundherum die Haut einstechen, damit das Fett später auslaufen kann.

 

SAUCE vorbereiten:

Den Ofen auf 180 Grad vorheizen. Zuerst in einer kleineren Form die Flügel, den Hals und die Innereien etwa 20 Minuten kross braten.

Für die Sauce die kleinen Gansteile und eine geviertelte, geschälte Zwiebel in einem Topf nochmal scharf anbraten, einen EL Mehl untermischen, anrösten, mit einem Glas Rotwein ablöschen und dann mit dem Gänsefond aufgießen. Köcheln lassen bis die Gans fast fertig ist.

GANS:

Gans MIT DER BRUST NACH UNTEN in einen Bräter (zur Not geht auch ein Backblech) legen, 1 Tasse Wasser dazu gießen, in den Ofen schieben, und 1,5 Stunden bei 180 Grad braten. Alle 20 Minuten mit dem Bratensaft übergießen, bei Bedarf Wasser nachgießen.

Dann Gans aus dem Ofen herausnehmen, den Bratenfond in einen Behälter abgießen, die Gans wenden, eine Tasse Wasser dazu und nochmal 1,5 Stunden braten. Wieder alle 20 Minuten übergießen. Das Fett von dem gewonnenen Bratensaft wegschütten und den Bratensaft in die köchelnde Sauce geben.

Kaltes Wasser, einen Eiswürfel und viel Salz in eine Tasse geben und die Gans nach den insgesamt 3 Stunden im Ofen damit bepinseln. Das macht die Gans so knusprig, dass man es kaum glauben mag. (Der Eiswürfel muss sein, weil sich das wasser sonst durch den Pinsel, mit dem man die Gans immer wider berührt, erwärmt.) Weitere 10 Minuten im Ofen braten, dann den Ofen ausschalten und die Gans dort etwa 15 Minuten ruhen lassen.

In der Zeit die Sauce fertig machen: Gansteile und Zwiebeln rausfischen, (ich püriere dann immer, damit keine kleinen Zwiebelstücke in der Sauce stören). Nochmal einen Schuss Rotwein dazu und köcheln lassen, wer will gibt ein bisschen Bratenfond dazu. Zwei TL Mehl mit kaltem Wasser binden, so dass eine cremige, klumpenfreie Masse entsteht. Langsam mit dem Schneebesen in die kochende Sauce geben, bis sie die gewünschte Konsistenz hat, also nicht zu flüssig und nicht zu fest. Mit Salz und Pfeffer abschmecken!

FERTIG! Bei den Beilagen würde ich mir keinen Stress machen: Rotkohl aus dem Glas und Kartoffelknödel-Masse  Thüringer Art aus dem Kühlregal.

 

Tataaaa!

 

Auf dieses Thema gibt es 10 Reaktionen

  1. Sieht super aus. Aber was den nun: Tyhmian, Beifuss oder Bärlauch????

  2. Ich hab doch gesagt: entweder Thymian oder Beifuss – aber keinen Bärlauch! Davon war nie die Rede.

    • Jetzt hast du es auch korrigiert im Blog. Gestern stand da noch Bärlauch…..da gab es einen kleinen Schreibfehler… zugeben könnte man es ja wenigstens!!!

  3. find ich auch ist das familien essen pur.ich koche ausser blaukraut und kartoffelknödel noch rosenkohl dazu…in 2 tagen ist es soweit….der aufwand lohnt sich…

  4. Ich habe auch Rosenkohl dazu gemacht!

  5. Ja hast Recht, Puppentier – ich habe es gestern korrigiert!

  6. Aber: als ich dir gestern geantwortet habe, wusste ich nicht, dass da Bärlauch steht .. ich war sogar überzeugt, dass das da nirgendwo steht.

    • na dann ist ja gut…;-)) es war mir auch klar das es nur ein Fehler sein kann, denn mit Bärlauch wäre der ganze schöne Braten wahrscheinlich versaut… ich werde da Rezept nächste Woche gleich mal ausprobieren!!!

  7. Violet, wie hast du denn die Knoedel zubereitet, wohne wie du in London und hab keinen zugriff auf tiefkuehl fertigpackungen.
    PS: Rotkohl im glas kannst du ganz einfach in einem der kleinen polnischen supermaerkte finden, oder auch in dem einen oder andren Cornershop :)

    • Rotkohl kann man selber machen, aber Knödel sind ein Problem, lieber Herman. Ich lasse mir manchmal Kartoffelmehr aus D mitbringen – oder sogar Knödelmasse, die eingefroren wird. Ansonsten nehme ich in der Not die XL-Kroketten aus der Marks&Spencer Food Hall, oder Roast Potatoes nach dem Rezept der Hawksmoor-Crew…

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