London

Chanel-Regeln für Mädchen

Gibt es ein schöneres Kunst-Openening, als eines ohne Kunst? Gut, einige sagen jetzt, wenn sich Stars vor eine Kamera stellen, Carine Roitfeld sie anzieht, Karl Lagerfeld sie fotografiert und das ganze dem kleinen schwarzen Jacket von Chanel gewidmet ist, kann man das Kunst nennen. Die Ausstellung “The Little Black Jacket” kam also vergangene Woche in die Londoner Saatchi Gallerie und ein wundervoller Junge besorgte für mich eine Einladung zur Eröffnungsparty.

Die Party war von zahlreichen prominenten Londonern besucht und ich mitten drin – zum Jauchzen schön. Neben mir schielte Chanel-Botschafterin Caroline Sieber, Alex Dellal und seine neue Model-Freundin stolperten vor meinen Füßen, Model Stella Tennant redete sich einen Wolf, Poppy Delevigne nervte ein wenig mit ihren Katzenohren, Chloe Moretz war einfach blass, Julia Restoin-Roitfeld sah man von einer Schwangerschaft nichts mehr an und Alice Dellal wirkte trotz Chanel-Outfits so, als müsste sie mal wieder baden. Es war einfach die schönste Veranstaltung, die ich besucht habe, seit ich in London lebe. Alles schien perfekt: an den Wänden der Saatchi Gallerie hingen Karls Fotos, die man sich anschauen konnte, falls die Handlung dünn wurde, der Champagner floss reichlich. Ich konnte uncoolerweise immer  nur wiederholen: “So great here, so good here, really great here”, während der Junge, der die Einladung besorgte und somit das restliche Jahr gar nichts mehr leisten muss, stecknadelkopfgroße Rinderfiletstücke mit einem Tröpfchen Meerrettich darauf in seinen Mund schob, sobald sie vorbei getragen wurden.

Das Schönste an der Party waren aber nicht die Promis, nicht der Champagner und nicht die Bilder, sondern die vielen anwesenden Chanel-Mädchen. Mädchen mit makellosem Teint und schönen Haaren, Mädchen die sich langsam bewegten und nie zu laut lachten, Mädchen die keine grellen Farben trugen, die sich an der Hand führen ließen und trotz der Eiseskälte Sandalen trugen. Chanel-Mädchen eben – die allertollsten Mädchen.

Chanel-Mädchen müssen nicht besonders reich oder besonder dürr sein, noch nicht einmal überirdisch hübsch sein. Sie müssen nur eine chanellige Einstellung haben, eine gewisse Erhabenheit vermischt mit fundiertem Stilgefühl. Und folgendes beachten:

DIE CHANEL REGELN FÜR JEDES MÄDCHEN:

1. Trage nur wenige Farben und nie mehr als drei in einem Outfit: schwarz, weiß, dunkelgrün, blau oder metallic.

2. Mach deine Haare schön, jeden Morgen wieder. Trage sie mit Mittelscheitel, wenn sie lang sind und fast weiß, wenn sie blond sind.

3. Verachte deutlich gezeigte Labels.

4. Wähle eine Chaneltasche aus einem anderen Material als Leder, ohne das sichbare CC und für den Abend in Mini-Größe.

5. Lackiere deine Füße mit dem “June”-Lack von Chanel, auch wenn Oktober ist.

6. Sei stets freundlich und niemals gemein.

7. Bewege dich möglichst grazil und nicht wie ein junger Bauer.

8. Trage rote Lippen!

9. Kauf dir lustigen Kopfschmuck, Ohren aller Art zum Beispiel, und trau dich, ihn zu tragen.

10. Lass dich von nichts auf der Welt aus der Ruhe bringen, sondern bleibe immer schön Chanel.

 

Poppy Delevigne mit Katzenohren

Chloe Moretz

Designer Haider Ackermann

 

 

 

Auf dieses Thema gibt es 8 Reaktionen

  1. schöner Artikel! Und süss geschrieben. Bitte mehr von diesem Zuckerguss!

  2. Es muss verdammt langweilig sein, ein Chanel-Mädchen zu sein, nehmen die Valium um immer ruhig zu bleiben?
    Willst du wirklich so ein Mädchen sein?
    Du wirkst viel netter und cooler als die!

  3. Die Fotografien kann man auf den Fotos auch sehen. Die Kunst besteht in der realisitschen Darstellung, sowohl im Text als auch im Bildmaterial….Ich mag im Übrigen Fotografie sehr….

  4. sexismus gegen rechts von k.i.z. war für anfänger. jetzt kommt violet. etwas dermassen hart zynisches zur rolle der frau habe ich noch nie gelesen. schon die selbstverständlichkeit mit der die erwachsene autorin sich selbst und geschlechtsgenossinnen mädchen nennt, ist subversiver als alles was je in der emma stand. sexistischer und kaiserlicher als der kaiser himself! “mach deine haare schön. jeden morgen wieder” und “trage nur wenig farbe”, so weit aus dem fenster lehnt sich nichtmal der vulgäre mr. lagerfeld. der lässt sich sogar mit frauen wie beth dito, alice dellal und blake lively ablichten. wie unwürdig. und “sei stets freundlich und niemals gemein” im zusammenhang mit diesem ordinärem klatschspaltenfüller ist die faust in die fresse, die sich bislang kaum wer auszuteilen gewagt hat. schon gar keine frau. brillant!

  5. Liebe Rosa – was haben denn schönes Haar, Anmut oder Nettigkeit mit Sexismus zu tun? Niemand zwingt Sie doch, diese Regeln mitzumachen, lassen Sie es doch einfach sein. Wenn Freundlichkeit und Stil für Sie ein Ausdruck der Unterdrückung sind sollten Sie unbedingt ganz unfreundlich sein und sich auf keinen Fall gut anziehen! Sonst werden Sie ja noch saurer … das wäre nicht gut. Ich zumindest sehe in Emanzipation die Möglichkeit als Frau die gleichem Möglichkeiten zu haben wie ein Mann, die gleichen Freiheiten und Chancen. Frau kann übrigens Frau sein UND die Welt erobern. Eine viel größere Gefahr als frisch gewaschene Harre sind für den Feminismus übrigens jene Frauen, die denken sich als Mann tarnen zu müssen, um weiter zu kommen anstatt selbstbewusst so viel Weiblichkeit zuzulassen wie sie möchten.

  6. oh my gaaaawd, und ich dacht im ernst, ich dürfte meine haare nicht jeden morgen frisch machen, weil ich ja dann die männer kopieren würde! or what?!? ich finde ihre antwort very confusing, vielleicht liegt es daran, dass ich keine frauen kenne, die sich als männer tarnen. soll in london aber furchtbar hip sein. und durchaus karrierefördernd. gerade in der comedy-szene zum beispiel, da würden sich frauen schnäuze ankleben bevor sie die bühne betreten. ist das jetzt schon so ein grosses ding geworden, dass sie den feminismus damit gefährden?

  7. Violet, der Artikel ist sicher ironisch gemeint, oder?

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