London

50er Frisuren und Hipster-Burger

 

Im Dukes Brew & Que sind Burger, Steaks und Ribs eine olympische Disziplin.

Ich weiß, alle reden über London 2012 und Olympia Olympia, aber ich sag mal so: ich nicht. After all, it’s just a Sportveranstaltung und ich unterhalte mich eigentlich nie über Sport, Sportbekleidung, Gewinne bei Sportwettkämpfen etc etc.

Allerdings trug Alex Turner bei seinem Opening-Auftritt eine wirklich schöne Lederjacke, das muss man kurz noch erwähnen und eine sehr coole Haartolle – und ich bin froh, dass er Alexa Chung verlassen hat. Gemein, nicht wahr?

Hier ist seine Niedlichkeit noch einmal im Foto:

Wir sollten unsere Boyfriends so schnell wie möglich überreden/zwingen eine 50er Jahre – Tolle zu tragen - macht total Sinn!

Unter uns: ich würde auch den Rechten nehmen, den debil drein schauenden Drummer. Immerhin auch ein Arctic Monkey … mehr Monkey als Arctic vielleicht, aber immer noch süß genug.

Was ich eigentlich sagen wollte: Neulich wurde ich Live-Zeuge eines Phänomens, das sich “Gentrifizierung” nennt, das Umwandeln eines schäbigen Viertels in ein schickes Viertel. Schon lange hatte ich von diesem neuen, extrem hippen Pub gehört, in dem das Essen so toll und alles einfach genau richtig sein sollte. Alle coolen Kids gingen die ganze Zeit hin, im Time Out und Another Man-Magazin standen Lobeshymnen, die mich noch neugieriger machten. Und das ganze gleich bei mir um die Ecke, in Hackney -so nah dass ich in hohen Absätzen hinlaufen konnte, ohne zu nerven, zu jammern oder zu leiden. Als wir es dann endlich, nach wochenlangem Drängen meinerseits zum Early Dinner ins Dukes Brew & Que geschafft hatten, war ich doch sehr erstaunt. Das ganze Ding war eine heruntergekommene Stinke-Kneipe mit Essen von viel besserer Qualität als ein Mark Hix es heutzutage noch hinbekommt. Mark Hix ist ein Londoner Gastronom mit mittlerweile mindestens vier Restaurants in der Stadt. Irgendwann war er mal sehr gut, aber er ist es schon lange nicht mehr. Die Burger, Ribs und Steaks im Dukes Brew & Que sind allerdings tadellos und von feinster Qualität. Das Fleisch kommt von den besten Metzgern Englands und von Bauern, die kein Tier in der Masse halten würden. Das Lokal riecht nach Bier, das sich monatelang immer wieder über den ganzen Boden ergossen hat und die Jungs und Mädchen, die dort arbeiten sehen aus, als hätte man sie gerade geweckt, schnell noch tätowiert und dann hinter die Theke gestellt.

Setzt man sich an die Tische draußen, darf man seinen Burger, umringt von den anderen Gästen, Dalston-Hipstern in löchrigen T-Shirts, Bärten und selbstgedrehten, schiefen Zigaretten (Dalston Hipster sind noch hipsteriger als alle anderen Hipster) mit einem wundervollen Blick auf Hackneys heruntergekommene Plattenbauten genießen. Vor dem Plattenbau steht sogar ein Engländer mit ärmellosem Shirt und schlecht gelauntem Pitbull an der Leine, beide halten Ausschau. Ein niedlicher Chav in grauen Jogginghosen, wie vom Deko-Zuständigen hinarrangiert.

Die restiche Straße, in der sich das Dukes befindet, hat man noch nicht gentrifiziert. Ausser dem Plattenbau, der aussieht wie ein Trabi, nur eben als Haus, gibt es einen indischen Krämerladen, vier Meter weiter einen türkischen Krämerladen und dann noch mal 10 Meter weiter einen afrikanischen Krämerladen. Alle Läden verkaufen die gleichen Waren: Getränke, Putzmittel, Süßigkeiten … Dazwischen noch ein ungemütlich hell beleuchtetes Wettbüro, in dem sich alte Männer in vollgepupsten Jogginghosen den Tag vertreiben und ein Pitbull sitzt auch hier dabei.

Ich möchte uns alle mal warnen! Der Hipster breitet sich aus! Der Lebensraum der Nicht-Hipster wird immer enger, bald vertreibt man die Jogginghosen-Männer und ihre schlecht gelaunten Pittbulls komplett vor den Stadtrand und alle, ja wir alle, werden Hipster sein!! Wir werden Ray Bans tragen, Löcher in unsere Comme Des Garcons-Shirts machen und selbst gedrehte Zigaretten rauchen!

Der Himmel möge uns beistehen.

Schnell noch einen Burger im Dukes, bevor die Hipster die Welt erobern! Foto: The Magnus

 

 

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