
Seit 2001 war der Spreepark geschlossen. Und nur das Boulevard interessierte sich noch für die mysteriösen Geschichten im Plänterwald
Was macht man mit einem alten Vergnügungspark, dessen Dinosaurier verwuchern, dessen Geisterbahn mit jedem Spinnenetz und allem Rost immer schauerlicher wird und dessen Riesenrad seit über zehn Jahren still im Treptower Plänterwald steht? Berlin hat keine Antwort. Das Boulevard hingegen viele.
Seit der Pleite des Spreeparks im Jahre 2001 taucht der Park immer wieder in den Medien auf. Nach dem Bankrott verschifften seine Betreiber den Park nach Südamerika, als sich der Erfolg auch dort nicht einstellen wollte wurde aus dem fliegenden Teppich das Versteck, um 167kg Kokain zwischen Peru und Deutschland zu schmuggeln und nachdem sowohl Vater als auch Sohn zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt wurden, tobt nun der Rosenkrieg zwischen den Eheleuten. Und der Park? Der ragt still und stoisch in den Berliner Himmel, wie ein Mahnmal, das von Kommerz, Gier, und kindlichem Vergnügen gleichzeitig erzählt.

Unter dem Titel "Kulturpark" öffnet der Spreepark Plänterwald Ende Juni für vier Tage seine Pforten
Nach vergeblichen Versuchen, den Park neuen Investoren zu übergeben öffnet der Spreepark, der 1969 von der DDR-Führung zu Erholungszwecken errichtet wurde, nun für vier Tage Ende Juni. Zum Abschluss der Berlin Biennale hat ein vierköpfiges internationales Kunst- und Kuratorenkollektiv mit Hilfe von Kickstarter und Geldern der New Yorker Art Matters Foundation das Projekt „Kulturpark“ ins Leben gerufen.

Seit Anfang Juni arbeiten 25 Berliner Künstler an der temporären Ausstellung anlässlich der Berlin Biennale, deren Arbeit aber ebenfalls zu einem Vorschlag für eine zukünftige Nutzung führen soll
Dafür luden sie 25 Künstler und Teams aus dem Berliner Raum ein, alles, was sie im Park vorfanden, durch künstlerische Konzepte wiederzubeleben. Doch nicht nur die verschiedenen Parkattraktionen, auch seine Geschichte und die des umliegenden Bezirks sollten als Grundlage zu Film, Video, Lichtkunst, Skulptur, und Performance dienen, um so einen Ort der kollektiven Erinnerung zu schaffen.
Doch bei der viertägigen Ausstellung vom 28. Juni – 01. Juli 2012 soll es keineswegs bleiben. Die Initiatoren des Projekts – der Galerist Anthony Spinello, die Kuratoren George Scheer und Stephanie Sherman und die argentinische Künstlerin Agustina Woodgate arbeiten gemeinsam mit Architekten aus Berlin, Landschaftsarchitekten der Harvard Universität und dem Urban Art Institute des Massachusetts College of Art und Design an einem Plan, wie eine kulturelle Nutzung des Geländes aussehen könnte.

Still und stoisch ragen die Reste des, schon 1969 von der DDR-Führung zu Erholungszwecken gebauten Vergnügungsparks in den Berliner Himmel
Und der Park? Der ragt still und stoisch in den Berliner Himmel, wie ein Mahnmal, das von Kommerz, Gier, und kindlichem Vergnügen gleichzeitig erzählt. Und genau deshalb ist es an Zeit, nicht den nächsten neuen Betreiber zu finden, sondern eine Form, die der turbulenten Geschichte des Parks endlich eine kulturell relevante Erzählung hinzufügt.
Kulturpark
28. Juni – 01. Juli 2012
11:00 - 19:00 Uhr
Plänterwald
Kiehnwerderallee 1-3
12437 Berlin
Rundgang (in Englisch): 30. Juni & 1. Juli | 11:00 (2 Stunden)
Rundgang: 30. Juni & 1. Juli | 13 Uhr und 16 Uhr (2 Stunden)
Bahnfahrt rund um den Park alle: 30 Minuten
Alle weiteren Informationen zu den Workshops und dem konkreten Ausstellungsplan gibt es hier.
