Berlin

Wenn Müll zu Haute Couture wird

Ich kann es nicht lassen. Immer wieder gucke ich nach nachhaltiger Mode. Sogar das Wort “Nachhaltigkeit” hat bei mir einen gewissen Status erreicht. Während ich so recherchierte, stolperte ich über ein Buch. Ein neues Buch, gerade erst erschienen: “Mach Neu aus Alt” von Henrietta Thompson. Es soll ein Handbuch zum “Welt retten, Geld sparen, Style haben” sein. Ich bin neugierig.

“Mach Neu aus Alt”

Graue, feste Pappe als Bucheinband – das gefällt mir. Auch wenn der Buchtitel ein wenig hölzern klingt, das Buch sieht vielversprechend aus.

Buch "Mach Neu aus Alt" von Henrietta Thompson

Henrietta Thompson arbeitet als Modejournalistin in London. Sie hat ein Jahr lang für dieses Buch recherchiert – jedes Wochenende auf einem Trödelmarkt in Shoreditch. Sie hat Designideen, Umgestaltungsmöglichkeiten und viele Infos über existierende nachhaltige Mode zusammen getragen. In einem Interview erwähnte die Autorin kürzlich, dass man nicht mal nähen können muss und trotzdem mit dem Buch arbeiten kann. Ich beschränke mich erstmal aufs Blättern.

Aus "Mach Neu aus Alt", Seite 62/63

Vom Wickelkurs bis  zum Plastiktüten Bügeln mit kleinen Umwegen über Nadel und Faden bildet Thompson viele Möglichkeiten ab, aus Müll beziehungsweise aus alten Klamotten noch mal was Neues zu machen. Aber warum soll ICH es machen, wenn es in Berlin zum Beispiel “Schmidttakahashi” gibt?! Den beiden Berliner Designerinnen wurden im Buch “Mach Neu aus Alt” auch mehrere Seiten gewidmet!

Schmidttakahashi

Eugenie Schmidt und Mariko Takahashi haben ein wunderbares Konzept entwickelt. Sie stellten selbstgebaute Container in Berlin, New York und in Mexico auf, um alte Kleider zu sammeln. Allerdings stopfen die Spender nicht nur ihre Sachen dort hinein, sie füllen noch einen kleinen Zettel aus, auf dem eine Nummer vermerkt ist. Den kann man sich wie eine Garderobenmarke vorstellen – die eine Hälfte bleibt am Mann, die andere bleibt an der Klamotte. Diese Nummer ist wichtig, denn sie ist der Grundstein des Konzepts.

Wiederbelebung durch Dekonstruktion

Alle Kleidungsstücke, die Eugenie und Mariko einsammeln, werden fotografiert und mit einer Nummer virtuell archiviert. Danach gucken sich die Designerinnen die Stücke genauer an und überlegen, welche alten Teile ein gutes Neues machen würden. Da trifft schon mal die sandfarbene Männerhose auf einen Frauenwollpulli und vielleicht noch auf ein Sakko. Schmidt und Takahashi setzen aus den alten Einzelteilen ein neues Stück Kleidung zusammen. Dieses wird natürlich auch im Internet präsentiert, so dass der Hosenvorbesitzer sehen kann, was aus seiner Hose geworden ist. Das Ganze geht auch anders herum. Wer ein Schmidttakahashi -Teil ersteht, kann mit Hilfe eines Chips, der ins neue Kleidungsstück eingenäht wurde, herausfinden woraus das Kleidungsstück zusammengesetzt wurde.

Aus dem Lookbook von Schmidttakahashi/ Foto: Mary Scherpe

Aus dem Lookbook von Schmidttakahashi/ Foto: Mary Scherpe

Welt retten, Geld sparen, Style haben!

Ich gebe zu, wer Schmidttakahashi kauft, ist beim Geld sparen nicht unbedingt weit vorn, denn diese Unikate können bis zu 1000 Euro kosten. Dann wohl doch selber machen. Zum Beispiel mit Hilfe des Buches.

“Mach Neu aus Alt” von Henrietta Thompson ist im Edel Verlag erschienen und kostet 24,95 Euro.

 

 

 

 

Auf dieses Thema gibt es 2 Reaktionen

  1. … schreit danach, mal den Müll durchzuschauen :-)

  2. Hm. 1000 euro? Und dann nicht mal schön.

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