Berlin

Rosige Aussichten: State Of The Art Photography

Armin Morbach: Aus der Serie "Paris Planking" (2011) © Armin Morbach

Die Fotografie hat sich verändert. Und gemeinsam ist ihr wahrscheinlich nur noch, dass sie vielfältig geworden ist. Es gibt nicht mehr die eine Schule, die eine Richtung. Dank des Digitalen sind Fotografen zu Künstlern geworden, die bearbeiten, manipulieren, sammeln, sie nutzen das Bild selbst nur noch als Ausgangspunkt, um darauf aufbauend ihre eigene Inszenierung zu erschaffen. Es gibt in der Fotografie nicht mehr vornehmlich die Realität oder das reale Objekt, die durch den Blickwinkel des Fotografen einen Rahmen, einen Ausschnitt, einen Charakter bekommen. Heute kann eine Zeichnung ein Foto sein, oder die Landschaft, die in ihrer Absonderlichkeit wie gemalt scheint, ist in Wirklichkeit eine Montage aus Satellitenaufnahmen von Google Earth.

Alex Grein: "Terra V" (2010), © Alex Grein

Doch wohin führt die Fotografie der Zukunft? Und gibt es nicht doch eine Schnittmenge, die die neue Vielfalt als Zeuge ihrer Zeit enttarnt? Das NRW Forum wagt mit der Ausstellung “State Of The Art Photography”, die noch bis zum 06. Mai in Düsseldorf zu sehen ist und zu der begleitend ein gleichnamiger Bildband erschien, eine Antwort. »Die Zukunft liegt nicht in der reinen Fotografie, sondern in der freien Kunst.« prophezeit Fotograf Andreas Gursky, der gemeinsam mit Museumsdirektor Werner Lippert und sechs weiteren deutschen Fotografen und Kuratoren die 41 jungen Künstler aus Amerika, Europa und Südafrika für die Ausstellung auswählte.

Asger Carlsen: Aus der Serie "Hester" (2008-2011) © Asger Carlsen

Und genauso vielfältig wie der Umgang mit dem Medium selbst, ist auch die Auswahl der Themen. So entdeckt man in der Ausstellung Fotografen wie die Deutsche Gursky-Schülerin Alex Grein oder Olaf Otto Becker, die sich der Landschaft durch neue Blickwinkel nähernGrein indem sie in der Tradition Casper David Friedrichs kontemplative Landschaften aus Google Earth Fragmenten zusammensetzt, Becker, indem er die Spuren dokumentiert, die die wachsende Überbevölkerung in der Landschaft hinterlässt.

Abbildung: Aus der Serie "1979" (2007) © Maziar Moradi

Pinar Yolaçan: aus der Serie "Like a Stone" (2011) © Pinar Yolaçan

Oder man wird mit Porträts konfrontiert, die nicht mehr nur das reine Abbilden der Person zum Ziel haben, sondern wie Forschungsarbeiten scheinen, ohne dabei die ästhetische Dimension zu vernachlässigen. Mikhael Subotzky und Patrick Waterhouses Bilder zum Wohnturm »Ponte City« in Johanesburg beispielsweise, oder die Arbeiten der Finnin Sanna Kannistos, die sich in ihren Bildern klassischer Methoden der Naturwissenschaften oder Anthropologie bedient um dabei die Beziehung zwischen Mensch und Natur zu erforschen.

Andreas Mühe: "Mooslahnerkopf" aus der Serie "Obersalzberg" (2010) (C) Andreas Mühe

Es scheint, als hätte nach einer langen Phase des nackten Realismus, der sich keine Illusionen mehr über die Welt zu machen schien, endlich auch wieder das Erhabene und Überwältigende in die Fotografie Einzug gehalten. Und damit Fotografie, die nicht nur eine Deutung zulässt sondern vom Betrachter ganz frei und subjektiv verhandelt werden darf. Die neue Vielfalt umfasst also nicht nur die Fotografie selbst, sondern auch die Betrachtung.

Place de Pyramide" © Jan Paul Evers, courtesy Julia Stoschek Foundation

 State of the Art Photography – noch bis zum 06 .Mai 2012
NRW- Forum Düsseldorf
Ehrenhof 2
40479 Düsseldorf

Di – So: 11 bis 20 Uhr
Freitag 11 bis 24 Uhr

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