Berlin

Mode als Weg aus dem Slum

Rund um die Weihnachtszeit möchte so gut wie jede Wohltätigkeitsorganisation eine Spende! Mallence Bart-Williams lehnt Spenden ab, obwohl die 36-jährige 20 Jungs aus einem Slum namens „Lion Base“ in der Stadt Freetown, Sierra Leone, helfen will. Sie macht das mit Modeprojekten,  von denen die Ergebnisse bei uns zu kaufen sind. Ihr aktuelles Projekt ist zusammen mit der Jeansfirma „Lee“ entstanden.

Mallence Bart-Williams, die Initiatorin vom Lion-Base-Projekt

Mallence Bart-Williams ist Halbafrikanerin, ihr Vater stammte aus Sierra Leone. Deshalb besucht die Unternehmerin immer wieder das Land in Westafrika.

Als sie vor ein paar Jahren eine Jacke für ihren Bruder umgestalten wollte, traf sie auf die Jungs aus dem Slum “Lion Base” in Freetown. Sie war nicht eingeschüchtert von den harten Jungs, die mit Stehlen ihr Geld “verdienten”. Sie begegnete ihnen mit Respekt und auf Augenhöhe.

“Die haben mir geholfen Muscheln aufzufädeln für diese Jacke und dann habe ich denen eben ein bisschen Geld gegeben. Dadurch kamen wir ins Gespräch. Ich war neugierig, wie sie da schlafen unter der Brücke – da haben sie mich mitgenommen. Dann wollte ich wissen: Wie kommt man hierhin? Das war schon ziemlich schockierend, wirklich so zwei Meter von diesem Müll und dem ganzen Shit, der da so vorbei schwimmt, schliefen die. Als Mensch fühlte ich mich so in die Verantwortung gezogen, weil wir werden alle irgendwo rein geboren, und ich hatte das Privileg in Deutschland geboren zu sein.”

Die „Lion Base“ Jungs haben zum großen Teil alle ihre Eltern in dem Bürgerkrieg verloren und wissen nicht mal wann ihr eigener Geburtstag ist. Also hat Mallence dann in Deutschland nach potentiellen Partnern gesucht, um traditionelle afrikanische Muster und Handwerkstechniken mit gängigen Konsumgütern zu verbinden. Die ersten, die mitmachten war die Sneakerfirma „K1X“. Für die Turnschuhmodelle haben die Jungs Stoffe gebatikt. Die fertigen Schuhe wurden unter anderem bei Colette verkauft. Das Geld, dass die „Lion Base“ generiert hat, ermöglichte den Umzug von ihrem Slum in ein Apartment.

“Der Profit fließt zu 100 % an die Jungs zurück, die haben alle ein eigenes Konto und können davon ihr Schulgeld zahlen, können sich davon ernähren. Ich hoffe, dass das in Zukunft wächst und sie in der Lage sind ein Studium davon zu finanzieren.”

K1X "Lion Base" Schuhe

 

„Lion Base“ – ein Projekt, für das man nicht spenden kann

Mallence glaubt übrigens nicht an Spenden, weil sie sagt, das wäre von oben herab handeln. Sie findet Teilen besser. Dass heißt, der eine kann was, macht was, der andere zahlt für diese Dienstleistung und unterstützt auf diese Weise.

“Ich denke jeder hat etwas, was der andere braucht und wenn wir offen sind und diesen Austausch zulassen, dann können wir einander befruchten.”

Keine Almosen brauche Afrika, sagt Mallence, sondern Respekt und Aufgaben.

Lee meets "Lion Base"; es gibt nur 50 dieser Hemden!

“Lion Base”  – Das Buch

Mallence Bart-Williams hat den Weg der 20 Jungs aus Freetown in unzähligen, eindrucksvollen Fotos festgehalten. In einem Buch können wir so sehen, wie sie mal gelebt haben, wie sie ihre erste Nacht auf einer echten Matratze genossen haben. Dieses Buch können wir genauso kaufen wie die Hemden. Und auch hier fließt das Geld nach Sierra Leone.

Als der Strom ausfiel, wurde nicht mehr gestickt, sondern Knöpfe angenäht

 

“Lion Base” – das Buch gibt es im Kickz-Online-Store für 35 Euro!

 

 


 

Auf dieses Thema gibt es 3 Reaktionen

  1. Toller und interessanter Beitrag! Sowas lese ich immer gern. Ich finde auch, dass man mit reinen Spenden nicht genügend Basis schafft. Deswegen ist es ein toller Weg den Mallence da eingeschlagen hat.

  2. Mallence ist eine Inspiration! Grossartig! Habe gleich drei Bücher gekauft. Das perfekte Weihnachtgeschenk :}

  3. Wow, klasse Projekt! Finde den Ansatz “teilen statt spenden” auch eine super Einstellung. Wer nimmt schon gerne Spenden an? Gegenseitig helfen und teilen ist viel Sinnvoller :)

    Und zudem.. die Jacke ist echt schick!

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