Berlin

Make him famous: Kony 2012

Sichtbar machen, was bisher unsichtbar blieb: Die kleine NGO "Invisible Children" macht auf die Menschrechtsverbrechen des ugandischen Rebellenführers Jospeh Kony aufmerksam

Wenn heute mehr Menschen bei Facebook angemeldet sind, als vor 100 Jahren auf der Erde lebten, die zudem auch noch alle miteinander in Kontakt treten können, warum dann nicht die Plattform nutzen, um neben privaten und beruflichen auch politische Interessen zu unterstützen? Diese Frage stellte sich die amerikanische Non-Profit Organisation „Invisible Children“, deren Gründer Jason Russell vor über 10 Jahren in Uganda arbeitete und dabei von den Verbrechen des Rebellenführers Joseph Konys erfuhr.


Dessen „Lord’s Resistance Army“ (LRA) entführt seit 26 Jahren Kinder, verstümmelt und vergewaltigt sie, macht sie zu Kindersoldaten oder Sexsklaven. 30.000 Kinder insgesamt. Seit 2004 sucht ihn der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag Kony per Haftbefehl, aufgrund der Perversität seiner Taten steht der afrikanische Terroristenführer auf der Liste der meistgesuchten Verbrecher gegen die Menschlichkeit auf Platz 1. Seine LRA gilt dabei als eine der brutalsten paramilitärischen Gruppen der Welt. Sie rebellieren gegen den Präsidenten Yoweri Museveni, haben aber inzwischen sonst kein politisches Ziel mehr, außer der Erhaltung ihrer eigenen Macht. Trotz all dem hat fast niemand bisher von Joseph Kony gehört.

Gestaltet im Stile Shepard Faireys machen die Kampagnenplakate deutlich, wie Invisible Children die Gräeultaten des afrikanischen Rebellenführers bewerten

Mit der Kampagne „KONY 2012“  und dem zugehörigen 30-minütigen Film will die kleine amerikanische NGO dies nun ändern. Ihnen geht es darum, Kony mit Hilfe des Internets, Social Media Plattformen, Plakaten und Protesten weltweit so bekannt zu machen, dass der Druck auf die politischen Entscheidungsträger wächst und der Rebellenführer am Ende hinter Gitter kommt. Wie viel Macht die virale Verbreitung von Inhalten hat, beweist die Kampagne eindrucksvoll. Das am 05. März 2012 veröffentlichte Video sahen bereits über 70 Millionen Menschen. Und dank prominenter Unterstützer wie George Clooney, Rhianna oder Angelina Jolie verbreitet sich die Aktion im Stile amerikanischer Präsidentschaftskampagnen weiter und weiter.

Bisher noch Wunsch statt Wirklichkeit: Wenn es nach Jason Russell geht, soll Josph Kony noch in diesem Jahr gefasst und verurteilt werden.

Zwar setzt KONY 2012 dabei rührselig auf Emotionen und vereinfacht die politischen Verhältnisse in Uganda auf einen Konflikt zwischen „gut“ und „böse“, der in Wahrheit sehr viel komplexer ist, weil auch der ugandische Präsident und dessen Sicherheitsapparat eine lange Liste von Menschenrechtsverletzungen vorzuweisen hat.
Doch selbst Amnesty International begrüßt die Aktion, so lange die Verhaftung Joseph Konys unter Beachtung der Menschenrechte geschieht und nicht die Streitkräfte einzelner Länder, sondern die Vereinten Nationen und die Afrikanische Union die zentrale Rolle einnehmen, um die betroffenen Gemeinden zu schützen und Kony und seine Rebellen vor Gericht zu bringen, statt sie zu töten. “Wir dürfen nicht vergessen, dass viele LRA-Mitglieder selbst Opfer von Menschenrechtsverletzungen wie Zwangsrekrutierungen waren,” sagte Erwin van der Borght, Afrika-Experte bei Amnesty International.

“Kony 2012″ ist ein Experiment mit offenem Ausgang, das sich bei den mobilisierenden Möglichkeiten des Internets und dei den Gestaltungschiffren der Popkultur bedient. Und es ist deswegen effektiv. Das bedeutet aber meiner Meinung nach keineswegs, dass das Projekt deshalb weniger Unterstützung verdient. Im Gegenteil: Je öfter wir über den eigenen Tellerrand schauen und merken, dass unsere eigene Stimme im Chor mit vielen auch gehört wird, desto weniger oft geschieht es, dass die Welt so lange wegsieht, bis die Masse zu rufen beginnt.

KONY 2012 from INVISIBLE CHILDREN on Vimeo.

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