
Wild Style: Sean Thomas' Bild mit Schauspielerin Emma Shenkman in "Opening Ceremony Annual" entstand zufällig beim Outfitwechsel und ist nun eins der stärksten Motive im Heft | © OC Annual
Jetzt machen sie auch noch ein Magazin. Eins ist sicher: Es ist geil. Und: Sie werden erfolgreich damit sein. Warum? Weil es scheint als hätten die zwei Amerikaner Hände aus Gold. Die Rede ist von Carol Lim und Humberto Leon, die nicht nur gerade ihr 10-jähriges Jubiläum mit dem hippsten Store der Welt – Opening Ceremony – feierten, als Kreativdirektoren dem japanischen Modehaus Kenzo eine Verjüngungskur verpassten, sondern nun also noch unter die Meinungsmacher gegangen sind.
Dabei erzählt sich die Geschichte eigentlich zu geschmeidig: Zwei Collegefreunde der UC Berkley, er Kunststudent, sie Studentin der Wirtschaftswissenschaften, arbeiten nach ihrem Studium beide bei Luxusunternehmen – Leon als Visual Director bei Burberry, Lim im Marketing von Bally – und beschließen, dass sie den unabgesicherten Spaß der Welt kalter Firmenideologie vorziehen und werden so erfolgreich, dass Terry Richardson inzwischen alle Lookbooks schießt und Underdog-Herzchen Chloë Sevigny in einem Interview, ohne Mitwissen der beiden, dem Reporter ins Mikrofon diktiert, niemals könne sie sich vorstellen, dass sie eine eigene Kollektion entwirft, einzig ein, zwei Teile für Opening Ceremony, die wäre drin.

"Opening Ceremony Annual" soll ab jetzt jährlich und immer monothematisch erscheinen. Issue 1: Sports | © OC Annual
Das Resultat dieses Geständnis ist eine, seit 2008 in jeder Saison wiederkehrende Kollektion mit etwa 40 Teilen und aus ihr entstand eine Kollaborationswucht, die inzwischen in so vielen Zusammenarbeiten auf Zeit mündet, dass man den Namen Opening Ceremony und das kleine x dahinter betrunken und im Schlaf buchstabieren kann. Pendleton war darunter, Levi’s, Acne, MM6 Maison Martin Margiela, Spike Jonze, Rodarte, Robert Glegerie, Timberland, Illesteva oder Terence Koh.

Die erste Ausgabe des Hefts erschien anlässlich der Olympischen Spiele in London, denn inspiriert von der olympischen Idee entstanden vor 10 Jahren auch Shopkonzept & Namenswahl von OC: pro Jahr präsentieren sie ein Land und deren noch unentdeckte Designerszene. | © OC Annual

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Und gerade weil die beiden inzwischen mit fast jedem kreativ verbandelt sind, liest sich die die Reihe der Contributor für die erste Ausgabe ihres, ab jetzt jährlich erscheinenden, Magazins „Opening Ceremony Annual“ illuster: Bruce Weber fotografierte für das monothematische Heft, das sich in Ausgabe 1 ganz der Leibesübung verschrieben hat, eine „Ballett vs. Basketball“-Lovestory, auch Walter Pfeiffer, Todd Cole und Tim Barber durften fotografieren, athletische Heftbeiträge gibt es außerdem von den Kunst Enfant Terribles Terence Koh und Tom Sachs, von Rolling Stone Gründer Theo Wenner oder Poppy de Villeneuve.

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“Als Magazin-Maniacs wollten Humberto und ich eine Art Sammlerstück für eine neue Generation machen”, erklärt Lim gegenüber WWD. “Etwas Besonderes und Schönes in der Tradition von Magazinen wie Benettons “Colors”, “Six” von Comme des Garçons oder Joe McKennas “Joe”. Wir wollten ein Magazin machen, das Kids in Nebraska genauso anmacht wie Leute aus der Modebranche.”

Opening Ceremony Annual | © OC Annual
Vorerst wurden 30.000 Exemplare von Heft 1 gedruckt, bestellen kann man es im Online Shop hier und wer sich wundert, warum gerade die Modedealer der Cool Kids “Sport” als erstes Heftmotto ausgesucht haben, dem sei noch einmal der Gründungsmythos der Läden in Los Angeles, New York und Tokyo in Erinnerung gerufen: Im Kern fußt der Erfolg von Opening Ceremony auf einer einfachen Idee, die sich auszahlen musste: Spaß. „Carol und ich waren gemeinsam auf einem Trip in Hong Kong und gingen einkaufen wie Wahnsinnige. Wir hatten unglaublich viel Spaß und fragten uns hinterher, warum das in New York nicht annähernd so aufregend ist. Und dann fiel uns auf, dass es dafür nur einen einzigen Grund gab: Wir hatten keinerlei vorgefasste Meinung davon, was hip war und was nicht. Wir mochten einfach alles, was sich gut anfühlte und hip aussah.“
Nach ihrer Rückkehr recherchierten die beiden, trieben ihren Plan voran und entschieden, Baron Pierre de Coubertins Idee der modernen Olympiade zweckzuentfremden, in dem sie pro Jahr ein Land und deren noch unentdeckte Designerszene in ihren Shops präsentierten. Den Auftakt machte Hong Kong, gefolgt von Brasilien, Deutschland, Großbritannien, Schweden und so weiter und so fort und immer durchsetzt von größeren Namen wie Proenza Schouler, Rodarte oder Alexander Wang. Und weil es unter Shopinhabern zum guten Ton gehört, Designer nicht nach einer kurzen, erfolgreichen Saison wieder abzuservieren, gründeten Lim und Leon den eigenen Showroom, um ihre Lieblingsimporte, auch nachdem sie nicht mehr auf den OC-Hängern hingen, weiter zu repräsentieren. Die Vereinten Nationen der modisch Benachteiligten.

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