
Weltreisen macht eben auch in unbequemen Schuhen (hier nicht zu sehen!!!) Spaß: Katja Hentschel & Bonnie Strange auf den Malediven
Ich bin die ungeeignetste Reisebegleitung, die man sich vorstellen kann. Oder zumindest läuft meine persönliche Reise-Evolution in entgegengesetzter Richtung ab. Während alle Welt mit Anfang zwanzig unkompliziert, abenteuerlustig und in Baumwollsets aus 4 Teilen verreiste, musste ich mein Geld stets für Übergepäck ausgeben, quetschte sogar noch mein eigenes Kopfkissen für einen Kurztrip nach Paris (!) in den Koffer und irgendwann musste mein armer Ex-Freund sogar meinen Riesenkoffer auf der Schulter tragen, weil unter der Last etwa 30 perfekt zusammengestellter Outfits (ebenfalls für einen Kurztrip nach London) die Rollen abgebrochen sind.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht was schlimmer war: Das mein Ex-Freund meinen Koffer tragen musste oder ich ihn auch noch dabei fotografiert habe
Mit über 30 scheint sich mein „Aber ich will doch die Wahl haben“- Gemüt allmählich zu beruhigen, doch erst kürzlich wieder musste ich auf den Ratschlag der Mutter meiner besten Freundin zurückgreifen und mir einen dieser schrecklichen praktischen Vakuumbeutel besorgen. Auf dem Weg nach Afrika!

Travelettes sind eben auch manchmal dekadent: Hummer essen im wohl ungewöhnlichsten Restaurant Tansanias
Lange Rede, kurzer Sinn: Als mir die Berliner Fotografin Katja Hentschel, die u.a. auch das wundervolle Glamcanyon-Blog verantwortet, vor ein paar Jahren von ihrer Idee eines Reiseblogs für Mädchen in High-Heels berichtete war ich begeistert. Und noch angetaner war ich, als ich das fertige Blog zum ersten Mal sah: Travelettes – Backpacking in Heels. Nicht, dass mich nichts mehr von den Travelettes unterscheidet, die in Costa Rica Tortillas aus Zutaten statt Plastikpackungen zubereiteten; den Tajumulco, den höchsten Berg Zentralamerikas besteigen oder ein kleines Felsrestaurant IM Ozean vor der Küste Tansanias entdecken. Aber zumindest hat man bei regelmäßiger Lektüre das Gefühl, dass es auch anderen nicht völlig egal ist, ob sie in einer Bambushütte mit nächtlichen Skorpionbesuchen schlafen oder gemeinsam mit Hühnern durch die zentralamerikanische Landschaft schaukeln.

Geht selbst in Skinny-Jeans: Marie auf dem höchsten Vulkan Zentralamerikas
Zudem findet man auf Travelettes immer wieder nützliche Hinweise, die das Reisen sehr viel geschmeidiger gestalten. Stellte Katja doch beispielsweise im letzten Jahr das HI Matic Hotel in Paris vor, in dem man sich via Computern, die im ganzen Hotel verteil sind, mit anderen Hotelgästen in der Lobby oder zum Dinner verabreden kann. Soziales Netzwerken ohne den lästigen Zwang, als Alleinreisende in einem Backpacker Hostel zu übernachten, also.

Da ist es, das Las Vegas das Katja lange suchte: The Attic, ein Vintage-Shop, in dem die Wüstenstadt noch immer glitzert
Oder sie gräbt in bester Schatzsucher-Manier den einzigen Grund aus, warum es lohnt, nach Las Vegas zu reisen: Den Attic Vintage Shop, der alles an Glamourösem bereithält, wofür Las Vegas einst mal stand wovon aber leider nichts mehr übrig geblieben zu sein scheint.

Travelettes-Gründerin & Fotografin Katja Hentschel während der Buchvorstellung in Berlin
Letzte Woche erschien nun im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag das Buch zum Blog: „In High Heels um die Welt“ und das versammelt die schönsten Anekdoten aus Mexiko, Laos, Russland oder Kuba von 20 Autorinnen, die eben nicht nur mit vier Baumwollteilen verreisen, sondern mit unbequemen Schuhen, Selbstironie und einem wachen Verstand.

In High Heels um die Welt: 20 Weltenbummlerinnen erzählen von ihren aufregendsten, schönsten und skurrilsten Abenteuern
Katja Hentschel (Hrsg.): “In High Heels um die Welt”
Taschenbuch, 320 Seiten
9,95 EUR (D)
ISBN 978-3-86265-110-8
Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag
Alle Bilder: Travelettes.net
