
Best Of Fall/Winter 2012-13
Es ist ein hellgraues Wollcape mit dunklen Knöpfen, die per Hand mit Leder überzogen sind. Beim Fahrrad fahren bläst es sich auf, so dass man meint, ich hätte es immer sehr eilig. Dabei fährt es sich langsamer mit so einem Cape. Viel langsamer, weil sich so viel Wind darunter verfängt. Aber ich mag das Gefühl, immer kurz vor dem Abheben zu sein. Wie bei E.T. – Der Außerirdische. Das eigentliche Problem aber ist, man kann dieses Cape nur im Herbst tragen. Im Winter ist es viel zu kalt wegen des ganzen Windes um den Bauch, im Sommer zu heiß und im Frühling mag ich es nicht tragen. Da will man doch jederzeit ausziehbereit sein, falls die Sonne doch mal scheint, will an einem sonnigen Fleck stehen bleiben, den Kopf gen Himmel recken, sich nicht bewegen und kurz vom Sommer träumen. Dabei ein Cape zu tragen, das wäre traurig. Fliegen will man, nicht stehen und der ganze Stoff hängt erschöpft an einem herunter.
Im Herbst also ist es Zeit fürs Cape. Das ist das Gute an ihm. Zwar müssen wir jetzt endgültig Abschied nehmen von Blumenkleidern, Schlaghosen und schimmernden Schultern, dafür bringt die neue Jahreszeit auch neue Mode. Und dierichtige Temperatur, um viel auf einmal davon zu tragen.
Letzte Woche haben in New York die Spring/Summer Schauen begonnen, doch für das schnelle Glück sind hier meine 7 x 4 Lieblingslooks aus den aktuellen Kollektionen für Herbst/Winter 2012-13:

Carven Fall/Winter 2012-13
Carven sind schon seit einiger Zeit DIE Lauftsteg-Sensation. Selbst die Stücke für Männer würde ich fast alle tragen. Die aktuelle F/W Kollektion ist perfekt ausbalanciert: farblich erwachsen, gestalterisch mädchenhaft und insgesamt sehr kultiviert. Am besten schreitet man darin durch Museen, bespricht Proust im Park und beißt dabei lieblich in einen grün-roten Apfel.

Proenza Schouler Fall/Winter 2012-13
Sich mit Lob über eine Kollektion von Proenza Schouler auszulassen: nicht besonders innovativ. Schließlich schwört die ganze Modewelt auf die beiden Designer Jack McCollough und Lazaro Hernandez, die in jeder Saison die Coolness und Tragbarkeit New Yorks mit Pariser Raffinesse zu verbinden wissen. Und die metallischen, wattierten Sweater und Bomberjacken der aktuellen F/W Kollektion, bestickt mit royal wirkenden Hühnern, Pfauen und Vögeln, bringen in einem Stück auf den Punkt, warum sie zu den Spannendsten gehören.

Sonia Rykiel Fall/Winter 2012-13
Endlich erwachsen: Dass in der Herbst/Winter Kollektion von Sonia Rykiel nur wenige der charakteristischen Streifen zu sehen sind und stattdessen Business-Looks für Mädchen, die Business nicht ganz so ernst und Mode dafür umso ernster nehmen, ist wohltuend. Den androgynen Formen verleiht die Rykiel’sche Wolle Weiblichkeit, für ironische Coolness sorgen die Stirnbänder.

Marc by Marc Jacobs Fall/Winter 2012-13
Es ist dieser unterdrückte Sex-Appeal, mit dem Jacobs für Marc by Marc Jacobs in jeder Saison punktet: Knielange Silhouetten, schroffe, rebellierende Elemente (hier die Boots) und weibliche fast kitschig wirkende Blusen oder Details. Sittsam & ordentlich. Doch der Effekt des Technicolour Kilt in Bewegung: Mode als Kunst!

Prada Fall/Winter 2012-13
Wie auch immer sie es macht, die 63-jährige Miuccia Prada präsentiert Saison für Saison Design, das immer hypermodern und nostalgisch zugleich ist. Für die kommende kam die Prada’sche Exzentrik in Form kleingeistiger Bösewichte daher. Eine Mischung aus Dr. Evil und Willy Wonka in kleingemusterten Anzügen, Mänteln oder mehrlagigen Westenkleidern, alles fein abgestimmt in gedecktem Grün, Blau, Gelb und Violett. Seltsam bestechend.

Kenzo Fall/Winter 2012-13
Ihnen wird nicht zu Unrecht nachgesagt, Kenzo neues Leben eingehaucht zu haben: Was Humberto Leon und Carol Lim, die Gründer von Opening Ceremony, schon nach zwei Saisons mit dem japanischen M0dehaus gemacht haben, ist aussichtsvoll: Tiger-Sweatshirts zu langbahnigen Satinröcken, Röcke und Blusen mit Quasten werden zu skulpturalen Rüstungen und Tischdecken-Drucke kollidieren mit Monochromem. Das ist wagemutig ohne lächerlich zu sein und absolut tragbar.

Dries Van Noten Fall/Winter 2012-13
Für seine aktuelle Herbst/Winterkollektion durchforstete Dries Van Noten das Archiv des Londoner „Victoria and Albert Museums“ nach traditionellen Japanischen, Chinesischen und Koreanischen Kostümen, ließ sie fotografieren und druckte die digitalisierten Muster auf seine Entwürfe. Nicht 1:1, Van Noten nutzte die Prints grafisch, zerschnitt fliegende Kraniche und goldene Drachen. Er legte quer was horizontal gehört, ließ farbenprächtige, zarte Seidenmuster mit militärischem Khaki oder Flanell auf einer Jacke kollidieren oder gürtete messerscharfe, maskuline Anzüge wie Kimonos. Modernität mit vollem Respekt vor der Vergangenheit – besser kann man es nicht machen. Der Meister aus Belgien ist in seinem Element.
