Berlin

Auf dicke Hose mit schmalem Geldbeutel

“Ups, ich bin zum Presseball eingeladen und habe keine Robe.” So was ist mir persönlich noch nie passiert, also der Teil mit dem Presseball, aber es soll doch Frauen geben, die für nur einen Abend ein ganz besonderes Kleid brauchen. Was tun? Schon wieder Shoppen oder zu einem altmodischen “Abendmodenverleih” gehen? Generation Internet macht das anders.

Seit zwei Wochen gibt es “Prêt-à-Louer” –  ein Onlineshop für Kleider aus dem High Fashion Bereich, in dem man die Kleider auch mieten kann.

Ausgedacht hat sich dieses Konzept Margarita Kozakiewicz. Sie hat lange Jahre als Moderedakteurin bei dem Online-Mode-Kanal  “Fashion Daily TV” gearbeitet, dass heißt sie kann Mode und Internet. Sie selbst hat auch die Auswahl an Designern getroffen, deren Kleider zur Ausleihe bereit stehen. Gestandene Labels wie Wunderkind und Guido Maria Kretschmer sind erhältlich aber auch viele junge Designer, deren Arbeiten immer noch viel zu wenige Modefreunde kennen: Michael Sontag, barre|noire und Issever Bahri zum Beispiel.

Mietbar bei Pret-a-Louer: Wunderkinds Mosaic Cape Dress

So funktioniert’s

Wer sich ein Kleid mieten möchte, macht eigentlich alles so wie beim Online-Shoppen. Aussuchen, ausfüllen, bezahlen, aufs Päckchen warten. Wer unsicher ist, ob die 36 oder 38 besser passt, nimmt einfach beide Größen und zwar zu einem Preis. À propos Preis, dieser variiert stark. Kostet ein Kleid im Verkauf “nur” 290 Euro, liegt der Mietpreis bei knapp 50 Euro. Kostet das Kleid aber über 2000 Euro zum Beispiel (wie das von Wunderkind auf dem Foto), beträgt der Mietpreis schon stolze 190 Euro.

Die dicke Hose, die keine ist

190 Euro ausgeben, um ein Kleid, das nicht mal mir gehört, einmal anzuziehen, ist ganz schön dekadent, sage ich. Außerdem auch mehr Schein als Sein!

Margarita Kozakiewicz sieht das anders:

“Bei uns sind die Preise fürs Ausleihen ja nicht nur 190 Euro, sondern es gibt auch Kleider, die kosten 45 Euro oder 80 Euro und wenn ich dann überlege, man kauft sich ein Kleid für einen Abend, was ja schon besonders aussehen soll, ist das oft so aus meiner Erfahrung, es hängt danach im Schrank und wird nicht noch mal angezogen. Und dann hat man die 80 Euro ausgegeben und das Kleid hängt rum. Das ist schon irgendwie schade um das Kleid und was wir hauptsächlich wollen und das geht nun mal nicht zu ganz günstigen Preisen, ist einfach das Bewusstsein für hochwertig produzierte Mode also für High Fashion zu stärken. Und jeder, der sich dafür interessiert, der gerne mal so ein Kleid anhaben möchte, das auch kann, ohne gleich 2000 Euro dafür auszugeben. Es geht da auch um den nachhaltigen Aspekt, es geht darum das Bewusstsein zu stärken, dass es nicht eben nur H&M und COS gibt, sondern halt auch handgefertigte Mode, die sich einfach gut anfühlt, wenn man sie anhat.”

Ok, in diesem Fall, ziehe ich mein vorschnelles Urteil zurück und zeige meinen “Gefällt Mir”-Daumen.

Wenn ihr jetzt drauf und dran seid, euch ein Kleid zu mieten, wartet noch ein bisschen. Denn bei “Prêt-à-Louer” kann der Mieter noch keine Haftpflichtversicherung für das Kleid abschleißen, dass heißt, noch bezahlt ihr, wenn dem guten Stück was passiert. Sobald das aber möglich ist, ran ans Mieten und ab mit dem teuren Wunderkind auf die Silvesterparty.

Auch Schmuck und Taschen gibt es zum Mieten. Armreif von "uncommon matters"

 

Auf dieses Thema gibt es 7 Reaktionen

  1. Das Problem ist sicher nicht der Preis – denn ein Balltraum kostet eben Geld – das Problem ist, dass man für sein Geld nichts Besonderes bekommt. Habe mir nach dem ganzen Shop-Hype mehr darunter vorgestellt und einen Blick riskiert. Die Auswahl der Modelle und Labels ist lau und macht keine Laune auf die Ballsaison. Ich denke, da muss an dem Angebot noch nachgebessert werden!

  2. Also ich finde die Kleider einfach bezaubernd! Aber Schönheit liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters. Die Auswahl ist nicht groß, da muss ich Recht geben, aber stand da nicht was von erst ca.2 Wochen online! Da sollte man dem ganzen doch Zeit geben. Ich kenne da noch so einen Shop, wobei mich pretalouer mehr anspricht und sehr stilvoll ist. Daumen hoch, allein wegen der Nachhaltigkeit und die üblichen Ballkleider, die ich so manchmal in Zeitungen bei Promis sehe gehen leider auch gar nicht. I Like!:-)

  3. Also wenn ich mal überschlage, was ich im Jahr für Kleider ausgeben würde, wenn ich bei jeder Feier und Hochzeit bei der ich eines brauche mit einem neuen aufkreuzen will, dann lande ich schnell bei meheren hundert Euro und die Kleider hängen ja dann danach nur zuhause im Schrank. Ich sehe das daher eher als Möglichkeit, oft was neues anziehen zu können und damit toll auszusehen, und das für kleineres Geld als es sonst gehen würde. Ich werds ausprobieren!!!

  4. Die Idee, Abendkleider zweck- bzw. anlassgebunden auszuleihen, gefällt mir wunderbar. Die Möglichkeit verringert den Platzbedarf im Kleiderschrank ganz beträchtlich. Und mir gefällt die Vorstellung, wirklich auf jedem Fest ein anderes schickes Abendkleid tragen zu können.

  5. Der Shop und das Angebot gefällt mir überhaupt nicht…wer soll denn diese Fummel tragen?

  6. Also ich finde die Auswahl bisher sehr ansprechend. Allerdings scheint mir die Leihfrist von 4 Tagen etwas kurz, denn normalerweise würde man ja lieber etwas früher ordern, damit das Kleid am Tag der Tage auch tatsächlich da ist…

  7. Tatsächlich, kaufe ich mir einfach ein Kleid, wenn es mir gefällt. Die Nachhaltigkeit sollte sich in dem Ursprung der Materialen wieder finden und bestenfalls auch in der Produktion. Die Auswahl ist ein Witz!

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