New York

Daphne Guinness im Museum

"Daphne Guinness in Water" Los Angeles, 2008. Foto: David LaChapelle.

Daphne Guinness in Water Los Angeles, 2008. Foto: David LaChapelle

Während es immer mehr Ausstellungen über Modedesigner gibt, ist es nach wie vor selten, dass sich Museen dem Stil einer einzigen Person widmen. Doch gibt es diese ganz bestimmten, außergewöhnlichen Figuren, denen eine spezielle Rolle in der Modewelt zukommt. Eine von ihnen ist Daphne Guinness. Die Mode-Ikone ist bis Januar Thema der gleichnamigen Ausstellung im Museum des Fashion Institut of Technology.

Die Ausstellung wurde aus Daphne Guinness’ Kleiderschrank, bestehend aus mehr als 2.500 Kleidungsstücken (mir wird schwindelig!), kuratiert und zeigt spektakuläre Kreationen der besten Couturiers der Welt, von Karl Lagerfeld über Valentino und Christian Lacroix zu Azzedine Alaïa und Rick Owens sowie futuristische Stücke junger Designer wie Gareth Pugh – neben, natürlich, ihrem engen Freund und Lieblingsdesigner Alexander McQueen (viele Exponate in der Ausstellung Savage Beauty waren Leihgaben von Daphne Guinness aus ihrer eigenen Sammlung und der von Mode-Redakteurin und geliebter Freundin Isabella Blow, die Daphne nach deren Tod gekauft hatte).

Alexander McQueen Daphne Guinness FIT

Catsuit und Cape von Alexander McQueen. Foto: The Museum at FIT

Direktorin und Chefkuratorin des Museum at FIT Valerie Steele gelingt es immer wieder in ihrem Museum ein Forum zu schaffen, um die kulturellen, politischen und geistigen Bedeutungen dessen, was wir tragen, zu diskutieren und trägt damit entscheidend zur Intellektualisierung der Mode bei. Denn, so glaubt Steele, wir befinden uns an einem Zeitpunkt, an dem Mode, zumindest Haute Couture und die der Avantgarde-Designer, mehr und mehr als Kunst gesehen wird (oder zumindest ein Dialog darüber geführt wird). Betrachtet man die Couture-Sammlung von Daphne Guinness, hat man tatsächlich das Gefühl, eine Kunstsammlung anzuschauen.

Die Ausstellung beginnt mit einer Galerie, die sich neben einem Catsuit und Cape von Alexander McQueen den Schuhen von Daphne Guinness widmet. Sie pflegt eine Vorliebe für schwindelerrgend hohe Schuhe ohne Absatz, da man mit Absätzen so oft stecken bleibe. Valerie Steele, die Kuratorin, versicherte während einer Führung durch die Ausstellung, dass Daphne Guinness problemlos in diesen Schuhen Treppen steigen könne und sie sehr bequem finde.

Daphne Guinness Markenzeichen: Plateaus ohne Absatz, hier von Nina Ricci. Foto: The Museum at FIT

Daphne Guinness Markenzeichen: Plateaus ohne Absatz, hier von Nina Ricci. Foto: The Museum at FIT

Die weitere Ausstellung ist in Bereiche geteilt, die sich auf jeweils einen Aspekt von Daphnes Garderobe konzentrieren. „Dandyism“ widmet sich Daphnes Leidenschaft für (traditionelle) Männerkleidung, wie weiße Hemden und Fracks. Daphne liebt das Spiel mit Genderrollen, eine große Inspiration ist für sie das häufige Cross-Dressing bei Shakespeare. Rei Kawakubo war so beeindruckt von Daphne Guinness’ androgynem Stil, dass sie sie Hemden für Comme des Garçons entwerfen ließ.

Daphne Guinness Punk FIT

Frack von Dior, Hemdbluse von Balenciaga, Hose aus einem Londoner Punk Shop. Foto: The Museum at FIT.

„Armor“ („Rüstung“) zeigt Stücke, die Anspielungen auf Daphne Guinness’ Liebe für Rüstungen sind. Sie selbst beschreibt, dass sie es wunderbar finde, sich in Metall zu kleiden, sie liebe sowohl die Farbe und Spiegelung als auch den beschützenden Charakter von Rüstungen.

Armor Rüstung Daphne Guinness Ausstellung

Kleider im Vordergrund: Alexander McQueen, im Hintergrund: Dolce & Gabbana. Galerie „Armor“ („Rüstung“) der Daphne-Guinness-Ausstellung. Foto: The Museum a FIT, New York.

Im Übrigen äußerte Daphne Guinness an verschiedenen Stellen, dass sie nie vorhatte, eine Stilikone zu werden, sondern im Gegenteil, dass sie in Kleidung immer eine Art Schutz sah, die Möglichkeit sich zu verstecken.

Kleid und Mantel von Gareth Pugh. Aus der Sammlung von Daphne Guinness. Foto: The Museum at FIT.

In der Galerie „Daytime Chic“ sind schlichte schwarze, weiße und graue Kleider und Kostüme zu sehen. Klassische Eleganz, die zeigt, dass Daphne Guinness’ Ästhetik nicht nur futuristisch ist, sondern zugleich aus einer Zeit zu stammen scheint, als Kleiden eine anspruchsvolle Form der Selbstdarstellung war, nicht, wie so schön in einem Artikel des New Yorker stand, „eine Gelegenheit, in Spandex-Komfort zu schwelgen.“ Daphne Guinnes sagt:

„I don’t do event dressing because every day is an event!“

Gareth Pugh Daphne Guinness FIT

Kostüm von Gareth Pugh. Foto: The Museum at FIT

Die dramatischsten Exponate werden in den letzten Galerien „Sparkle“ und „Exotismus“ präsentiert. Valentino, erzählte Valerie Steele während der Führung, necke Daphne Guinness gerne damit, dass er immer wissen würde, wo sie ist: Man müsse nur den Spuren von Federn, Glitzer und Perlen folgen. Und Daphne selbst bezeichnet sich als eine Elster:

„I love anything that sparkles!“

SPARKLE Daphne Guinness FIT

Ensemble aus der „Sparkle“-Galerie der Ausstellung. Foto: The Museum at FIT.

Ein ganz besonderes Kleidungsstück ist der Kimono, den Alexander McQueen entwarf, als er noch bei Givenchy war, zu sehen im letzten Teil der Ausstellung, der Galerie „Exotismus.“ Daphne Guinness war lange Fan von McQueen, bevor die beiden sich kennenlernten. Als jemand sie einander vorstellen wollte, lehnte Daphne ab mit der Begründung, sie verehre ihn und wolle kein Groupie sein – ähnlich wie Alexander McQueen ist Daphne Guinness sehr schüchtern. Eines Tages sah McQueen sie jedoch auf der Straße in London in seinem Kimono. Voller Begeisterung rannte er hinter ihr her – und die beiden wurden engste Freunde.

Kimono von Alexander McQueen, Daphne Guinness

Der Kimono von Alexander McQueen, den Daphne Guinness trug, als die beiden sich kennenlernten

Die „Exotismus“-Galerie verweist auf Daphne Guinness’ Hang zum Drama. Sie bedaure, dass Mode heutzutage mehr und mehr „beige“ werde. Mit „beige“ meine sie:

„Everyone and everything is starting to look the same – almost like a Mao uniform!“ Stattdessen, so Daphne, sollten wir eine Fahne für Individualität hochhalten.

Daphne Guinness und Kuratorin Valerie Steele beim Empfang zur Eröffnung der Ausstellung. © Patrick McMullan.

 

Daphne Guinness im Museum at the Fashion Institute of Technology,  Seventh Avenue at 27th Street. Bis 7. Januar, Dienstag-Freitag 12-20 Uhr, Samstag10-17 Uhr. Eintritt frei.

Am 17. Oktober erscheint bei Yale University Press außerdem das Buch Daphne Guinness von Valerie Steele.

Auf dieses Thema gibt es 2 Reaktionen

  1. Sophia, an dieser Stelle ein schon lange fälliges Dankeschön für Deine Blogs aus New York, die aufgrund Deiner Themenwahl, Deiner Sachkenntnis und Deines Schreibstils mir an jedem Freitag das Herz öffnen und meinen Geist beflügeln!
    Anja

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